45 Jahre Nobelpreis für Willy Brandt

Wenn es um Frieden geht, gibt es manchmal Zweifel an den Entscheidungen des schwedischen Nobelpreis-Komitees. Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos zum Beispiel, der im Dezember den Friedensnobelpreis erhält, wird möglicherweise die Versöhnung zwischen FARC-Rebellen und Regierung fortsetzen können. Auch die Preise für Barack Obama und die Europäische Union sind mittlerweile sehr umstritten.

Der Friedensnobelpreisträger Willy Brandt hingegen nicht. Vor 45 Jahren, genau am 10. Dezember 1971, wurde dem deutschen SPD-Politiker und NaturFreund die Auszeichnung zuerkannt für seine Entspannungspolitik. Brandt hatte die Grundlagen für Versöhnung und Frieden zwischen Ost und West gelegt – immer noch legendär ist sein Kniefall vom 7. Dezember 1970 in Warschau. Es war die Idee der „gemeinsamen Sicherheit“, von der sich Brandt und sein Berater Egon Bahr leiten ließen und die letztlich zum Ende des Kalten Krieges führten.

Seit dem Zusammenbruch des „Ostblocks“ jedoch wurden viele Chancen vergeben, diese Politik fortzusetzen. Das „europäische Haus“, von dem Michail Gorbatschow einmal träumte, blieb eine Illusion. Dafür verantwortlich war nicht nur Wladimir Putin, sondern auch diejenigen im Westen, die den endgültigen Sieg über den Kommunismus feierten.

Seit einiger Zeit ist wieder eine verstärkte Militarisierung des Denkens zu beobachten – in Ost und West. Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier (SPD) musste bereits wiederholt vor neuem „Kriegsgeheul“ und „Säbelrasseln“ gegen Russland warnen. Dabei wissen wir von Willy Brandt, dass nur mit einer Friedens- und Entspannungspolitik das gemeinsame Haus Europas gebaut werden kann. Diese gründet auf der Fähigkeit, die Positionen des Anderen zu verstehen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen, die eine langfristige Friedenslösung möglich machen. Das ist nicht nur Sache der Politiker, auch die Zivilgesellschaft muss dabei helfen.

Denn gegen die riskanten Manöver der „kalten Krieger“ ist auch eine starke Friedensbewegung nötig. Erst Anfang Oktober mahnte Natur- Freunde-Bundesvorsitzender Michael Müller auf einer Friedensdemo in Berlin: „Wir müssen den neuen Kalten Krieg stoppen. Frieden ist ohne europäische Solidarität nicht möglich. Europa darf nicht an den Grenzen der EU enden. Wir verstehen Europa als ganz Europa, nicht nur als Europäische Union und schon gar nicht als Wurmfortsatz der NATO.“

Eckart Kuhlwein
Dieser Artikel erschien zuerst in der NATURFREUNDiN 4-2016.