Fachtagung | Schöne neue Heimat?

Nationalchauvinistische und völkische Ideologien im Natur- und Umweltschutz und wie man sich dagegen wehren kann

Kosten: 

Kostenbeitrag 25 Euro. Bei Anreise am Freitag: 45 Euro (inkl. Übernachtung und Verpflegung). Ermäßigungen möglich, bitte per Mail (seminare@nf-farn.de) erfragen.

Fahrtkosten in Höhe einer Fahrkarte 2. Klasse mit Bahncard 50 können übernommen werden. Ein günstiges Bahnticket zur Veranstaltung kann hier erworben werden.

Auskunft & Anmeldung: 

Fachstelle Radikalisierungsprävention
und Engagement im Naturschutz (FARN)
c/o NaturFreunde Deutschlands
Warschauer Str. 58a/59a
10243 Berlin
(030) 29 77 32 -68
seminare@nf-farn.de
www.nf-farn.de

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Die Fachtagung bietet Tätigen im Natur- und Umweltschutz, der Jugendverbandsarbeit sowie der Rechtsextremismusprävention und allen Interessierten die Möglichkeit, sich über historische und aktuelle Verknüpfungen zwischen Rechtsextremismus und Natur- und Umweltschutz zu informieren und weiterzubilden.

Die Teilnehmenden lernen Präventions- und Interventionsstrategien kennen und erwerben Kenntnisse über Unterwanderungsstrategien von rechten Gruppierungen und Einzelpersonen im Natur- und Umweltschutz. Je nach Vorkenntnissen und Interessenslage kann zwischen verschiedenen Workshops gewählt werden.

Programm

Freitag, 1.6.2018  

ab 17:00 Uhr Anmeldung

18:00 bis 19:30 Uhr Abendessen

20:00 Uhr Themenabend "Völkische Siedler"
Unter anderem mit einer Podiumsdiskussion mit Marius Hellwig, Referent für Rechtsextremismus im ländlichen Raum der Amadeu Antonio Stiftung, und Karl Banghard, Leiter des archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen. Moderation: Marie-Luise Abshagen, Referentin für nachhaltige Entwicklung des Forum Umwelt und Entwicklung.

Samstag, 2.6.2018

9:00 bis 9:15 Uhr Begrüßung

9:15 bis 10:45 Uhr Inputvortrag und Diskussion "Grüne Braune" | Referent Peter Bierl
Umweltschutz ist nicht per se links, sondern hat braune Wurzeln und Kontinuitäten. Die ersten Grünen waren Lebensreformer und Heimatschützer. Heute agitieren Rechte gegen Gentechnik und Atomkraft, weil sie deutsches Erbgut schädigen oder tun den Klimawandel als Verschwörung ab. Problematisch sind im Mainstream von Medien und Politik der neue Heimatdiskurs sowie der Antiamerikanismus etwa im Kontext von TTIP (Stichwort Chlorhühnchen). Umweltschützer und Globalisierungskritiker wollen eine Vielfalt der Kulturen bewahren, als handele es sich um verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Der Gedanke eines solchen Ethnozoos geht auf die Neue Rechte zurück, die damit den Rassismus kaschiert. Für Tiefenökologen und Biozentristen ist der Mensch eine Plage, das "Krebsgeschwür" der Erde.
Zur Einführung gibt es einen historischen Abriss sowie einen Überblick über aktuelle Aktivitäten der Rechten im Umweltbereich. Außerdem werden Vorstellungen behandelt, die jenseits der Rechten verbreitet sind, und für deren Agitation, Rekrutierung und Bündnispolitik Anknüpfungen bieten.
Peter Bierl ist freier Journalist, Mitglied der Gewerkschaft verdi und lebt mit seiner Familie in der Nähe von München. Er ist Autor von „Grüne Braune: Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts“ (Unrast-Verlag, 2014), „Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn. Kapitalismuskritik von rechts: Der Fall Silvio Gesell“ (Konkret-Verlag, 2012) sowie „Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik“ (Konkret, 2005).

10:45 bis 11:00 Uhr Kaffeepause

11:00 bis 13:00 Uhr Workshopphase 1 – Theorie

Workshop 1: „Rechte Kulturrevolution. Wer und was ist die Neue Rechte von heute“ – Bestandsaufnahme aktueller rechter Strömungen und ihrer Traditionen|Katrin Glösel
Für ihre „Kulturrevolution von rechts" setzen sie auf Aktionismus, Störaktionen und Provokationen, die einschüchtern und beeindrucken sollen. Die Identitäre Bewegung ist innerhalb der „Neuen Rechten" bestens vernetzt. Mit Parolen wie „Heimat – Freiheit – Tradition" propagiert sie die Verschwörungstheorie vom „großen Austausch". Zielgruppe sind vor allem junge Menschen.
Kathrin Glösel wird in einem Vortrag erklären, was die „Identitären" innerhalb des rechtsextremen Spektrums gefährlich macht. In einer anschließenden Diskussion wollen wir gemeinsam über Strategien nachdenken, wie gegen die „Neue Rechte" vorgegangen werden kann.
Kathrin Glösel, BA MA MA, Jg. 1989, hat Politikwissenschaft sowie Europäische Frauen- und Geschlechtergeschichte in Wien studiert und macht auch historisch-politische Bildungsarbeit im Mauthausen Komitee Österreich (Projekt denk.mal.wien) sowie im Verein Gedenkdienst (Projekt Studienfahrten).

Workshop 2: Naturschutz und Tierschutz im Nationalsozialismus – personelle und konzeptionelle Kontinuitäten | Yannick Passeick (FARN)
Natur- und Tierschutz waren wichtige Elemente der nationalsozialistischen Ideologie. Kurz nach der „Machtergreifung“ wurden 1933 und 1935 die ersten Gesetze zum Tier- und Naturschutz im Deutschen Reich erlassen. In dem Workshop wird es einen historischen Überblick zum Naturschutz der NS-Zeit und personellen sowie konzeptionellen Kontinuitäten geben. Auf dieser Grundlage wird die nationalsozialistische Faszination für die Natur methodisch behandelt.
Yannick Passeick ist Bildungsreferent bei FARN. In seinem Studium der Politik- und Rechtswissenschaften sowie der Politischen Kommunikation in Bielefeld und Helsinki hat er sich mit unter anderem mit konservativen bis rechten Ideologien und Theorien beschäftigt.

Workshop 3: „Heimat(-schutz)“ – eine methodische Annäherung an den Begriff der Heimat und seine Verknüpfungen mit dem Heimatschutz| Johanna Söhnigen und Rainer Schmitz
Der Begriff der Heimat erlebt seit einiger Zeit im kulturellen und politischen Bereich eine Renaissance. In dem Workshop soll das historische und theoretische Profil rekonstruiert werden, das der Begriff in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Heimatschutz-Bewegung und des Nationalsozialismus erhalten hat und an das rechtsextreme Gruppierungen mittlerweile mehr oder weniger offen anknüpfen. Mit einem Impulsvortrag von Rainer Schmitz (TU Darmstadt).
Johanna Söhnigen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschungsstelle Gartenkultur und Freiraumentwicklung (Universität der Künste Berlin) und langjähriges Mitglied in verschiedenen Umweltschutzorganisationen; für den Naturschutzbund NRW (NABU) war sie ca. 20 Jahre im Beirat der Unteren Landschaftsbehörde Düsseldorf.

13:00 bis 14:00 Uhr Mittagspause

14:00 bis 16:00 Uhr Workshopphase 2 – Praxis

Workshop 4: „Rechte Ökosprüche entlarven“ – Argumentationstraining für rechtsextreme oder nach rechts anschlussfähige Argumente | Nico Heinz-Fischer
In diesem Workshop werden rechtsextreme Argumentationsmuster zum Thema Naturschutz betrachtet. In praktischen Übungen wird getestet, wie erfolgreich gegen rechte (Öko-)Sprüche argumentiert werden kann.
Nico Heinz-Fischer studiert Politikwissenschaften und Soziologie und ist ehrenamtlich bei der BUNDjugend Rheinland-Pfalz aktiv. Im Rahmen der Werkstatt "Neues Denken am Westwall" (veranstaltet von dem Freiwilligen Ökologischen Jahr RLP gemeinsam mit der Landeszentrale für Umweltaufklärung RLP) befasst er sich mit dem Thema Naturschutz gegen Rechtsextremismus.

Workshop 5: „Handlungsperspektiven innerhalb von Verbänden und Organisationen“ – Diskussion pädagogischer Ansätze zur Prävention: Wie reagiert man auf Unterwanderungsstrategien von rechts? | Karsten Wilke
Ziel des Workshops ist, Aktive in (Jugend-)Umweltverbänden in ihrem Umgang mit diskriminierenden und abwertenden Aussagen in pädagogischen Situationen zu stärken. Anhand konkreter Erfahrungen werden Möglichkeiten eines konstruktiven Umgangs aufgezeigt. In einem zweiten Teil geht es um die Rolle der Umweltverbände als demokratische gesellschaftliche Akteure. Welche Verantwortung kommt den Verbänden bei der Ausgestaltung der Demokratie zu? Und wie können entsprechende Zeichen gesetzt werden?
Dr. Karsten Wilke ist Historiker und ausgebildeter Mediator. Als Mitarbeiter der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold befasst er sich seit vielen Jahren mit Fragen der demokratischen Kultur.

Workshop 6: Naturschutz inklusiv gestalten – Kritik der Entgegensetzung von Humanität und Natur |Uta Eser
Hier geht es um die Frage, wie man Naturschutz demokratisch, sozial und menschenrechtskonform gestalten kann. Es wird gezeigt, dass der Naturschutz konzeptionell eine misanthropische Schlagseite hat und ein relationaler Ansatz vorgestellt, der geeignet scheint, die verbreitete Entgegensetzung von Humanität und Natur zu überwinden.
Uta Eser ist als Biologin und Umweltethikerin seit 25 Jahren im Grenzgebiet von Biologie, Politik und Ethik tätig. In ihrer Dissertation hat sie sich ideologiekritisch mit der naturschutzfachlichen Bewertung gebietsfremder Arten beschäftigt. Der Entwurf einer Ethik, die über der Sorge um die Natur die Menschen nicht vergisst, war damals ihr Ziel – und ist es bis heute.

16:00 bis 16:15 Uhr Kaffeepause

16:15 bis 17:00 Uhr Abschlussplenum

Ort/Unterkunft/Treffpunkt: 
Naturfreundehaus Teutoburg, Detmolder Str. 738, 33699 Bielefeld

Naturfreundehäuser

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Naturfreundehaus Teutoburg
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33699 Bielefeld
Übernachtungsplätze vorhanden
vollbewirtschaftet

Anmeldung FARN

Hiermit melde ich mich zu der oben aufgeführten Veranstaltung verbindlich an:

Möglichst die Mobilfunknummer, sonst die Festnetznummer
Unterbringung und Verpflegung
EZ wenn verfügbar und gegen Aufpreis
Barrierefreiheit

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