Die Lizenz zum Wandern

Warum Ortsgruppen nur ausgebildete Wanderleiter einsetzen sollten

NaturFreunde-Ausbildung zum Wanderleiter
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Renate Kochenrath hat ihre Ausbildung zur Wanderleiterin im Mai letzten Jahres absolviert. Über den einwöchigen Lehrgang veröffentlichte die Mainzer NaturFreundin einen launigen Artikel im NaturFreunde-Wanderportal. Da geht es um „die Liebe zur Natur und zum In-der-Natur- sein“, um die „Philosophie des Wanderns“, aber auch um ganz profane Ausbildungsthemen wie das Führen einer Gruppe, die Planung von Wanderungen, Orientierung mit Karte und Kompass, Erste Hilfe, Wetter, Naturschutz oder die richtige Bekleidung.

Gut ausgebildete Wanderleiter sind ein Schatz für jede Ortsgruppe. Vielleicht denkt einer: Eine Wanderung führen, dafür braucht man doch keine Ausbildung. Bergführer, Skilehrer oder Wildwasserkanuten brauchen das. Aber eine Wanderung leiten, das kann doch jeder. Vielleicht ist das in manchen Fällen so. Möglicherweise reicht etwas Orts- und Natur- oder Kulturkenntnis. Aber stellen wir uns einmal vor: Bei einer Ortsgruppen-Wanderung kommt es zu einem Unfall, eine Person verletzt sich. Die Krankenversicherung des Verunfallten will vom Leiter der Wanderung die Behandlungskosten ersetzt haben. Und der Arbeitgeber die sechs Wochen Lohnfortzahlung. Das wird teuer.

Wer nun einen gültigen Wanderleiterausweis hat, nach bestandener Abschlussprüfung ausgestellt von der NaturFreunde-Bundesfachgruppe Wandern, ist für diesen Fall durch die Vereins- Haftpflichtversicherung geschützt. Die prüft nämlich, ob die Schadenersatzansprüche berechtigt sind, reguliert sie oder weist unberechtigte Ansprüche zurück, auch vor Gericht. Unter Umständen kann auch die Staatsanwaltschaft ermitteln. In diesem Fall springt die Straf-Rechtsschutzversicherung der NaturFreunde Deutschlands ein und übernimmt Anwalts- und Gerichtskosten sowie die Entschädigung für Zeugen und Sachverständige. Zumindest bei lizenzierten Wanderleitern mit gültigem Ausweis, die ihre Tätigkeit ehrenamtlich ausüben.

Harald Peschken, Mitglied des NaturFreunde- Bundesvorstandes und behördlich zugelassener Versicherungsberater, weist noch auf einen ganz anderen Vorteil hin: „Durch den Einsatz zertifizierter Wanderleiter kann der Vorstand einer Ortsgruppe nachweisen, dass eine angemessene Personalauswahl erfolgte.“ Auch Karlheinz Bär, Bundesausbildungsleiter Wandern, empfiehlt: „Die Vorstandschaft der Ortsgruppen sollte nur geprüfte Wanderleiter mit der Führung einer Wanderung betrauen.“

Zurück zu Renate. Die fühlte sich nach der Ausbildung so sicher in der Planung und Durchführung von Wanderungen, dass sie sich auf den rund 3.500 Kilometer langen „Appalachian Trail“ durch den Osten der USA wagte. Die NATURFREUNDiN hat sie bei Kilometer 1.385 in Waynesboro, Virginia, erwischt: „Was ich in der NaturFreunde- Ausbildung gelernt habe, hilft mir sehr“, schreibt sie aus dem Internetcafé. „Wenn ich zurück bin, berichte ich.“

Samuel Lehmberg, NaturFreunde Deutschlands
Dieser Artikel ist zuerst erschienen in NATURFREUNDiN 3-2016.