Haftungsrisiken bei Touren verringern

Was Ortsgruppen und Tourenführer tun können

Wanderungen sowie Kletter-, Ski- und Kanutouren bergen Risiken. Diese Risiken kann der Veranstalter – und das ist oft eine Ortsgruppe – dem Teilnehmer nicht vollständig abnehmen. Allerdings sollte er die Tour so organisieren und durchführen, dass eine über das allgemeine Risiko hinausgehende Gefährdung der Teilnehmer weitestgehend ausgeschlossen ist.

Wie weit das allgemeine Risiko des Teilnehmers geht und wo die Organisationspflicht des Veranstalters beginnt, kann letztlich nur im Einzelfall ermittelt werden. Dennoch lassen sich die Haftungsrisiken deutlich verringern, wenn der Veranstalter unter anderem folgende Aspekte beachtet:

Transparenz der Ausschreibung
Der Teilnehmer muss wissen, was auf ihn zukommt. Deshalb sollten sowohl die Art als auch die Gefahrenpotenziale der geplanten Tour konkret beschrieben werden, ebenso die erforderlichen Fähigkeiten. Das reicht von ganz konkreten Seil- und Sicherungstechniken bis zur Mindestkondition. Zudem müssen die benötigte Ausrüstung beschrieben sowie Ort und zeitlicher Umfang klar sein – etwa die Gehzeit einer Wanderung.

Sorgfaltspflicht
Der Veranstalter hat die Sorgfaltspflicht, nur geeignete Tourenführer, Trainer und Ausbilder einzusetzen. Deren Eignung ist ein wichtiger Punkt: Sie brauchen eine einschlägige, aktuelle Ausbildung oder bei Wanderungen im Flachland zumindest umfassende Erfahrung. Je gefährlicher eine Tour, desto eher ist eine Ausbildung erforderlich.

Maßgebend ist hier das sogenannte Jamtal-Urteil des Oberlandesgerichts München. Demnach kann der Teilnehmer erwarten, dass der Tourenführer durch Ausbildung, Erfahrung und Gebietskenntnis ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet. Er muss zum Beispiel die Ausrüstung vor Ort prüfen, konkrete Gefahren einschätzen und bei einer unmittelbaren Gefährdung die Tour abbrechen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Ortsgruppe Tourenführer mit einer „Entscheidungsstrategie“ ausstattet, welche die gerade genannten Punkte bindend vorschreibt. Ebenso muss dem Tourenführer vorgeschrieben werden, die allgemeinen Sicherheitsstandards zum Verhalten in bestimmten Gefahrensituationen einzuhalten.

Diese werden auch bei den sportlichen Ausund Fortbildungen der NaturFreunde Deutschlands geschult. Nicht nur deshalb kann die Eignung von Tourenführern im Falle eines Falles sehr leicht durch einen gültigen NaturFreunde- Sportausweis belegt werden.

So bist du versichert
Im Rahmen des NaturFreunde-Versicherungspaketes sind Mitglieder und Gäste haftpflichtversichert, sobald sie im Auftrag des Vereins handeln. Die Unfallversicherung schützt teilnehmende Mitglieder von NaturFreunde-Veranstaltungen, Gäste jedoch nur, wenn sie im Auftrag des Vereins eine Aufgabe übernommen haben. Übungsleiter mit gültigem Sportausweis sind zusätzlich durch eine Strafrechtsschutzversicherung geschützt, sofern sie ihre Tätigkeit ehrenamtlich für die NaturFreunde ausüben.
Harald Peschken

Risikomanagement
Tourenführer sind für die höchstmögliche Sicherheit der Teilnehmer verantwortlich. Zugleich ist das Risikomanagement aber auch eine Gemeinschaftsaufgabe. Tourenführer müssen deshalb die Teilnehmer zu eigenverantwortlichem Handeln befähigen. Dazu gehört zum Beispiel auch die Ermutigung zum Eingeständnis einer konditionellen oder technischen Überforderung.

Gruppengröße
Für die Anzahl der Teilnehmer pro Tourenführer gibt es Richtwerte. Für Wanderungen liegen diese zum Beispiel bei 10–15 Teilnehmern, bei einer Bergwanderung bei 6–8 Teilnehmern und für eine Klettersteigtour werden 4–5 Teilnehmer pro Tourenführer empfohlen.

Aus- und Fortbildungen
Viel mehr Informationen zu diesem Thema werden bei den sportlichen Aus- und Fortbildungen der NaturFreunde Deutschlands vermittelt. Zum Beispiel gibt es für das Führen von Gruppen im Winter und im verschneiten Gebirge umfangreiche Handlungsanweisungen, ebenso für die jeweilige Notfallausrüstung oder für Veranstaltungen mit Kindern und Jugendlichen.

Rund 150 qualitativ sehr hochwertige Ausund Fortbildungsangebote für den Berg-, Kanu- und Schneesport sowie das Wandern enthält das neue Natursportprogramm der NaturFreunde Deutschlands. Der Bundesfachbereich Natursport empfiehlt Ortsgruppen, Touren nur von ausgebildeten Trainern, Instruktoren und Wanderleitern durchführen zu lassen. Bitte unterstützt eure Mitglieder bei der Ausbildung.

Wolfgang Spindler, Bundesfachbereichsleiter Natursport der NaturFreunde Deutschlands
Dieser Artikel erschien zuerst in der NATURFREUNDiN 4-2016.