Männer dominieren ehrenamtliche Vorstände

Nur jede vierte NaturFreunde-Ortsgruppe wird von einer Frau geführt

2014 rettete ein ausschließlich weiblicher Vorstand die Ortsgruppe Hausach vor der Auflösung.
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Vor eineinhalb Jahren hat der Bundestag eine gesetzliche Frauenquote beschlossen. Bundesjustizminister Heiko Maas sagte damals, diese sei der größte Beitrag zur Gleichberechtigung seit der Einführung des Wahlrechts für Frauen. Dabei betraf die Quote nur etwa 100 Großunternehmen. Deren Aufsichtsräte sollen zukünftig zu 30 Prozent mit Frauen besetzt werden.

Eine 30-prozentige Frauenquote hat auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) eingeführt. Denn in Verbänden ist es um die Geschlechtergerechtigkeit oft auch nicht besser bestellt als in der Wirtschaft: „Je höher das Amt, desto seltener wird es von einer Frau ausgeübt“, sagt Petra Tzschoppe, Vizepräsidentin für Frauen und Gleichstellung beim DOSB.

Potenzial von Frauen und Mädchen stärker nutzen
Dabei haben viele Vereine große Probleme, ehrenamtliche Funktionsträger zu gewinnen. „Diese Herausforderung werden Vereine nur meistern“, warnt Tzschoppe, „wenn sie das Potenzial von Frauen und Mädchen viel stärker als bisher nutzen.“ Die Sportentwicklungsberichte zeigten, dass Vereine mit höherem Frauenanteil im Vorstand weniger existenzielle Probleme beklagten, argumentiert die DOSB-Funktionärin.

NaturFreunde-Funktionäre nach Geschlecht (in Prozent)
  Frauen Männer
Ortsgruppenvorsitzende 23 77
Kinder- & Jugendleiter 60 40
Landesvorsitzende 42 58
Bundesausschuss 29 71
Bundesvorstand 18 72
Bundesleitung (Jugend) 43 57
Bundesfachgruppenleiter 14 86
Trainer 32 68
Bundeslehrteams 14 86
alle Mitglieder 49 51

Im Umkehrschluss müssten die Natur- Freunde in Deutschland eher mehr existenzielle Probleme beklagen. Zumindest die Zahlen sind eindeutig: Nur 23 Prozent weibliche Ortsgruppenvorstände und kaum ein Drittel Frauen im Bundesausschuss. Anja Zachow, Landesvorsitzende der NaturFreunde Thüringen, vermutet ein strukturelles Problem: „Es gibt unter anderem diese familienunfreundlichen Sitzungszeiten. Und es gibt eine bestimmte männlich dominierte Kultur, ein Mix aus dominantem Redeverhalten und speziellem Humor. Rein männlich besetzte Vorstände können auf Frauen auch abschreckend wirken.“

Unvereinbarkeit von Familie und Ehrenamt
Tatsächlich zeigen Studien, dass die Unvereinbarkeit von Familie und Ehrenamt ein wichtiger Grund für das Fehlen von Frauen in führenden Vereinspositionen ist. Sitzungen familienfreundlicher zu organisieren, könnte also schon mal helfen. Frauen direkt anzusprechen und zu ermutigen, wichtige Positionen zu übernehmen, wäre auch ein einfacher Schritt.

Die Naturfreundejugend hat vor fünf Jahren eine Doppelspitze in der Bundesleitung eingeführt, seitdem gibt es jeweils einen Bundesleiter und eine Bundesleiterin. „Frauen glauben oft, dass sie für eine Führungsposition nicht ausreichend qualifiziert sind. Sie gehen von ihrer Persönlichkeitsstruktur her einfach viel kritischer mit sich um“, sagt die ehemalige Bundesleiterin Nina Bartz, „Eine Doppelspitze erleichtert dann den Einstieg in eine Führungsposition. Grundsätzlich bin ich aber keine Freundin von Quoten in der Verbandsarbeit und glaube, dass wir eher an den Strukturen arbeiten müssen.“

Anja Zachow verweist in diesem Zusammenhang auf einen weiteren Aspekt: „Mehr Frauen ziehen auch mehr Frauen an.“ Sobald leitende Funktionen von Frauen ausgeübt würden, fühlten sich weitere Frauen angesprochen. Die Vorbildfunktion sei entscheidend.

Clara Isakowitsch
Dieser Artikel erschien zuerst in der NATURFREUNDiN 4-2016.