Mit dem Fahrrad auf dem Oder-Neiße-Radweg durch die Oberlausitz

Ein Reisebericht

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Mit dem für solche Radreisen konstruierten eigenen Anhänger, Fassungsvermögen 16 Fahrräder, ging es bei strahlendem Sonnenschein mit zwei Kleinbussen auf die 630 Kilometer lange Anfahrt zur Oberlausitz. Am Rande von Zittau, im Dreiländereck, begann die Tour auf dem östlichsten Radweg Deutschlands zunächst in Tschechien, in Nova Ves an der Neißequelle. Die Route führte auf etwas beschwerlichen Wegen durch die hügelige Landschaft auf einer Strecke von 57 Kilometern nach Zittau. Von dort ging es am nächsten Tag wieder der Neiße entlang, wobei unser Radweg durch die aus dem 11. Jahrhundert stammende, sehr schöne Klosteranlage der Marienthaler Zisterzienserinnen, verlief. Der richtige Ort zum Genießen und Rasten.

Nach weiteren 15 Kilometern empfing uns der  Berzdorfer See, eine 960 Hektar große ehemalige Braunkohle-Tagebaustätte. Heute ein willkommenes Freizeitparadies von den Toren von Görlitz. Sehr schon angelegte sandige Strände und ein gastronomisches Angebot laden zum Schwimmen – Paddeln – Segeln ein.

Die große Kreisstadt Zittau beherbergt in ihrem Zentrum stilvoll renovierte Bauten aus der Gründerzeit. Die breiten Alleen, Plätze und zahlreiche Brunnen geben Zeugnis davon, dass Zittau in früheren Zeiten eine der großen sechs Handelsstädte in der Oberlausitz war, welche mit Webereien, Tuch- und Salzhandel in den  Osten zu Reichtum kam. Gleichwohl ist auch in den weniger begehrten Geschäftslagen ein totaler Niedergang augenscheinlich. Ebenfalls steht eine Vielzahl von großen Wohnhäusern, insbesondere in den Außenbezirken leer und verwahrlost total. Teils sind noch ungeklärte Eigentumsverhältnisse, teils aber auch fehlende  Investitionen mangels ausreichender Rendite die Ursachen, wie man uns vor Ort erklärte. Weiter ging es am nächsten Tag nach Löbau, um auch einen Eindruck über die schöne Landschaft abseits der Neiße zu gewinnen. Nach täglich ca. 65 gefahrenen Kilometern, musste auch mal ein Ruhe- und Ausflugstag sein, für den wir das schöne Dresden aufsuchten. Eine sehr kompetente Führung brachte uns das „Elbflorenz“ näher.

Danach stand der Umzug nach Görlitz an. Unser Hotel, mitten im Zentrum, ließ keine Wünsche offen, so dass das allabendliche Flanieren in dieser wunderschönen Stadt mit ihren renovierten Häusern verschiedenster Epochen ein echter Ausgleich zu unseren täglichen Radtouren war.

Weiter ging es nordwärts der Neiße entlang nach Rothenburg, an der „geheimen Welt der Kinder“ – einem großen Freizeitpark mit Baumhäusern und phantastischen Gebilden, wo die Kinder regieren – entlang, um schließlich bei einem Fischer verschiedene Fischvarianten auszuprobieren.

Danach stand die letzte Fahrt von ca. 75 Kilometern nach Bad Muskau an. Diese Stadt ist geprägt durch den weitläufigen Park des Landschaftskünstlers Hermann Fürst von Pückler-Muskau, der hier, mit seinem Schloss als Mittelpunkt, ein einzigartiges Kulturgut geschaffen hat.

Nun war das Ende unserer Fahrradreise gekommen. Also nochmals über die Neiße in den polnischen, östlichen Teil der Stadt, wo wir erstaunlicherweise eine gute französische Küche vorfanden und genießen konnten. Eine schöne Reise war mit der problemlosen Heimfahrt zu Ende gegangen. Es blieb der Wunsch, diese Radtour auf dem gut ausgebauten Oder-Neiße-Weg in den kommenden Jahren fortzusetzen. Allen jenen, welche die Oberlausitz noch nicht kennen, empfehlen wir: Fahrt dort hin, ihr lernt einen schönen Landstrich kennen.

Klaus Schweinfurth, NaturFreunde Wiesloch

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