Mit der Tram vom Naturfreundehaus zur documenta 14

Ein erster Tempel aus verbotenen Büchern faszinierte 1983 die Menschen in Buenos Aires.
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Kassel, das ist weit mehr als die „Kasseler Berge“. Da gibt es zum Beispiel den Bergpark Wilhelmshöhe mit dem Herkules und den Wasserspielen, seit drei Jahren ein UNESCO-Weltkulturerbe. Oder das Gebrüder-Grimm-Museum: Die beiden Professoren haben nicht nur die deutsche Sprache erforscht, sondern waren auch Mitglieder der sogenannten „Göttinger Sieben“, die im Jahr 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung im Königreich Hannover protestierten und danach Asyl in Kassel fanden.

Deutschlands „verlorene Jahre“
Und dann gibt es natürlich die documenta. So heißt die weltweit bedeutendste Ausstellungsreihe zeitgenössischer Kunst, die alle fünf Jahre für jeweils 100 Tage in Kassel ihre vielen Pforten öffnet. Die 14. documenta beginnt am 10. Juni 2017 und NaturFreunde können ganz entspannt anreisen – mit der Straßenbahn vom Naturfreundehaus im nahen Kaufungen. Dazu unten mehr.

Begonnen hat die Geschichte der documenta im Jahr 1955 in den Ruinen des Museums Fridericianum. Der Kasseler Kunstprofessor Arnold Bode hatte gleich nach dem Krieg Projektpläne für eine große internationale Kunstausstellung entwickelt, die wieder an die internationale Kunst anknüpfen und den Nachholbedarf Deutschlands für die „verlorenen Jahre“ des Nationalsozialismus stillen sollte. Mittlerweile zieht die documenta fast eine Million Menschen an, darunter viele junge Menschen.

Schon jetzt wird über das Vorhaben der argentinischen Künstlerin Marta Minujin gesprochen, an dem sich auch NaturFreunde beteiligen können. Minujin will mit rund 100.000 Büchern aus der ganzen Welt, die in der Vergangenheit verboten waren oder es gegenwärtig sind, einen sogenannten „Parthenon of Books“ errichten.

Auf dem Kasseler Friedrichsplatz, wo im Jahr 1933 eben solche Bücher von den Nazis verbrannt worden waren, soll nach dem Vorbild des Tempels auf der Athener Akropolis – ästhetisches und politisches Ideal der ersten Demokratie – ein maßstabsgetreuer Tempel aus Büchern aufgebaut werden und als Mahnung gegen Zensur und Verfolgung in die Welt ausstrahlen.

Minujin hatte einen kleineren Tempel bereits 1983 in Buenos Aires erreichtet. Kurz nach dem Ende der argentinischen Militärjunta baute sie schon damals mit Büchern, die während der Diktatur verboten waren. Nach fünf Ausstellungstagen kippten Kräne die Installation, sodass die Bücher mitgenommen werden konnten. Auch für den Parthenon in Kassel ist zum Ende der documenta 14 eine gemeinsame Aktion mit der Öffentlichkeit geplant, um die Bücher wieder kursieren zu lassen.

Der Kunst verbotene Bücher zu spenden
Entsprechende Bücher können gespendet werden. Ein „Spendenformular“ steht auf der Internetseite der documenta 14. Die Universität Kassel arbeitet an einer Liste mit verbotenen Werken aus der ganzen Welt, die schon jetzt mehr als 60.000 Titel umfasst. Alternativ können die Bücher auch an die NaturFreunde Kaufungen geschickt werden, die diese mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion vor Ort abgeben werden.

Das Lossetalhaus der Ortsgruppe Kaufungen liegt übrigens nicht nur idyllisch am Rande des Naturparks Kaufunger Wald, sondern auch nicht weit von der Haltestelle der Straßenbahnlinie 4 entfernt. Die braucht 20 Minuten zu den Ausstellungsorten der documenta.

Rolf Müller
Dieser Artikel erschien zuerst in der NATURFREUNDiN 4-2016.

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34260 Kaufungen
Übernachtungsplätze vorhanden
Selbstversorgerhaus

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