Vier Fragen an NaturFreundin Anke Kuß

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Anke Kuß ist gerade aus Algerien zurück. Die stellvertretende Landesvorsitzende der NaturFreunde Berlin hat zwei Monate lang Mitglieder und Ortsgruppen der „Association de Tourisme et Loisirs et Échanges des Jeunes et Developpement Durable“ (ATLED) besucht, kurz: die algerischen NaturFreunde. ATLED hat 1.700 Mitglieder und zehn Ortsgruppen. Die NATURFREUNDiN hat Anke nach ihren Eindrücken gefragt.

NATURFREUNDiN: Womit beschäftigen sich die algerischen NaturFreunde?

Anke Kuß: Einen großen Bereich bildet die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Da geht es zum Beispiel um Arbeitseinsätze in kommunalen Palmenhainen oder es wird gemeinsam Plastikmüll gesammelt. Es gibt auch Mädchengruppen, die traditionelles Handwerk lernen und es wird viel mit Kindern von Geflüchteten gearbeitet, die aus der Westsahara kommen. Ein anderer großer Bereich ist der Ökotourismus. ATLED hat viele Reiseführer, die Wüstenaufenthalte für Gruppen organisieren, mit Dromedaren, traditionellem Essen, Übernachtungen im Freien und Treffen mit Nomaden.

Du warst auch drei Wochen in einer Oasenstadt. Wo genau?
In Beni Abbes im Westen Algeriens. Die Stadt hat 12.000 Bewohner, grenzt direkt an die Dünen einer riesigen Wüstenlandschaft und es ist sehr heiß. Hier wohnen auch viele Reiseführer von ATLED, die für ihre Touren gerne ein eigenes Camp bauen würden. Es gibt schon ein Grundstück mit Brunnen, es fehlt aber noch ein Stromkabel für die Pumpe. Wegen der großen Hitze muss es ein Spezialkabel sein, das die Ortsgruppe aber nicht bezahlen kann.

Wie hast du kommuniziert?
Das war gar nicht so einfach. Der NaturFreunde-Präsident Hedibi Abdelatif spricht gut französisch, die meisten anderen aber nur ein paar Brocken. Ich war oft mit dem Präsidenten unterwegs, doch er durfte sich nicht mit den Frauen unterhalten, in deren Familien ich wohnte.

Konntest du dich frei bewegen?
Vor Ort ja, allerdings musste ich jeden Ortswechsel bei der Gendarmerie anmelden. Dann wurde eine Polizeieskorte organisiert, die mich auf der Fahrt begleitete. Im neuen Ort musste ich Aufenthaltsadresse und Ansprechpartner angeben und konnte danach machen, was ich wollte.

Die Fragen stellte Samuel Lehmberg.
Dieser Artikel erschien zuerst in der NATURFREUNDiN 4-2016.