Die Emscher | Flusslandschaft 2010/11

Flusslandschaft 2010/11: Emscher
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Die Emscher ist im Vergleich zu den anderen Flusslandschaften ein etwas „anderer" Fluss. Sie schlängelt sich nicht durch eine herrliche Naturlandschaft, sondern sie fließt durch eine ehemalige Industrieregion. An ihrem Flusslauf sind deshalb auch mehr Industriedenkmäler zu sehen als Naturdenkmäler. Aber auch die gibt es.

In einigen Bereichen ist die Emscher noch heute ein offener Abwasserlauf. Im Raum Dortmund und in Duisburg aber sind die Erfolge der Renaturierung bereits auf vielen Kilometern erlebbar. Die gewässertypische Flora und Fauna kehrt zurück, Rad- und Wanderwege erschließen die ehemalige Industrielandschaft.

Das Gebiet – 865 Quadratkilometer

Das Einzugsgebiet der Emscher ist 865 Quadratkilometer groß und umfasst die Kernzone des rheinisch-westfälischen Industriegebietes mit den Städten Holzwickede, Dortmund, Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Herne, Herten, Bochum, Gelsenkirchen, Essen, Gladbeck, Bottrop, Oberhausen, Dinslaken und Duisburg (emscherflussabwärts geordnet).

Im Hixterwald entspringt ein Fluss

Die Emscher entspringt südöstlich von Dortmund bei Holzwickede im Kreis Unna auf etwa 147 Metern über Normalnull. Als die „Landmesser“ des preußischen Königs 1824 das Urkataster erstellten, legten sie den heutigen Emscherquellhof und sein Umfeld als Quellgebiet der Emscher fest. Später ermittelten Wasserbauingenieure den Ursprung der Emscher im Hixterwald, einige hundert Meter südwestlich vom Hof.

Quellwasser – kaum da, schon wieder weg

Aus den Quellen in und am Quellhof entspringen pro Minute 50 Liter Wasser, die sich zu einem kleinen Bachlauf vereinen. Nach nur 200 Metern versickert die Hälfte, denn durch den Bergbau entstanden neue unterirdische Wege, die das Quellwasser teilweise aufnehmen und anderenorts wieder zu Tage befördern. Auf den nachfolgenden 250 Metern bis zum Quellhof führt die Emscher dann sichtlich mehr Wasser. Hierfür sorgen Regenwasser und Grundwasser aus den umliegenden Wäldern, Wiesen und Feldern. Nach gut 80 Kilometern mündet die Emscher bei Dinslaken in den Rhein. Dabei hat der Fluss eine Höhendifferenz von 123 Metern überwunden. Seine Mittelwasserführung beträgt 16,7 Qubikmeter pro Sekunde.

Eine "andere" Flusslandschaft

Als Kloake des Ruhrgebiets war die Emscher lange Zeit verschrien, sogar als schmutzigster Fluss Deutschlands. Denn die Emscher nahm alle Abwasser des Ruhrreviers auf, aus Häusern, Fabriken und Bergwerken und führte sie ab in den Rhein. Erste Flussregulierungen und Kanalisationsbauten waren nicht erfolgreich. Denn weil sich im Bergbaugebiet regelmäßig die Erde senkte, kam es zu immer neuen Überschwemmungen. Erst eine gemeindeübergreifende Kooperation konnte die Probleme lösen. Die 1899 gegründete Emschergenossenschaft machte sich endlich daran, die Abwasser zu reinigen. Und um diese schneller abzuleiten, wurde das Flusssystem nicht nur begradigt, sondern auch Betonschalen in Emscher und Nebenflüsse gebaut. Und das schuf neue Probleme. Aus den Flüssen wurden Betonkanäle - eine Katastrophe nicht nur für die Natur, sondern auch für die Menschen: Denn wer hineinrutschte, konnte sich nicht festzuhalten. Wiederholt kam es zu Todesfällen.

Seit Beginn der 90er Jahre arbeitet die Emschergenossenschaft daran, die Emscher zu einem Fließgewässer mit höherer ökologischer Qualität umzuwandeln. Denn durch den Strukturwandel im Ruhrgebiet verschwand der Bergbau fast ganz und die Stahlerzeugung konzentrierte sich nur noch auf den Standort Duisburg, dem heute größten Stahlstandort der Welt. Die Abwässer wurden unterirdisch durch Rohre zu verschiedenen Klärsystemen geleitet und oberirdisch begann die Renaturierung der Emscher und ihrer Nebenflüsse.

Doch der Strukturwandel war nur ein Auslöser für diese Bemühungen. Das Umweltbewusstsein der Menschen hatte zugenommen, die endlich auch im Ruhrgebiet gute Lebensbedingungen und eine saubere ökologische Umwelt wollten. Ein erster großer Schritt in Richtung ökologischer Umbau war 1989 die internationale Bauausstellung Emscherpark (IBA). Der Emscherlandschaftspark und der Emscherradweg wurden angelegt, Verbände begleiteten den Prozess mit Bachpatenschaften, zum Beispiel auch die NaturFreunde Dortmund-Kreuzviertel.

Das Ziel: ein attraktiver und bewusster erlebter Naherholungsbereich

Abgeschlossen ist die Renaturierung noch nicht. Durch verschiedene Projekte sollen die Emscher und ihre Zuflüsse wieder zu „blauen Flüssen“ werden. Auch sollen im Emscherbereich weiterhin neue Rad- und Wanderwege angelegt und die Emscherregion zum attraktiven Naherholungsbereich umgestaltet werden. Letztlich soll sich hier wieder eine vielfältige Vegetation ansiedeln mit einem reichen Fischbestand und Brut- und Niststätten für Vögel der Region.

Der NaturFreunde-Landesverband Nordrhein-Westfalen hatte sich um die Ausrichtung der Flusslandschaft des Jahres 2010/2011 beworben, um den Menschen die Veränderungen an der Emscher zu zeigen, sie weiter für ihre Umwelt zu sensibilisieren und gemeinsam an einem ökologisch attraktiven Naherholungsbereich Emscher zu arbeiten. Die NaturFreunde vor Ort wollen ihr Engagement an neu erschlossenen Erholungsräumen mit intakter Umwelt messen lassen. Im Einzugsbereich der Emscher gibt es über zehn aktive Ortsgruppen, die sich an Renaturierungskonzepten beteiligen und Rad- und Wanderwege konzipieren.

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47055 Duisburg-Wanheimerort
keine Übernachtungsmöglichkeiten
Verpflegung nach Absprache
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45470 Mülheim
Übernachtungsplätze vorhanden
vollbewirtschaftet
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45879 Gelsenkirchen
Übernachtungsplätze vorhanden
Verpflegung nach Absprache
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58239 Schwerte-Westhofen
Übernachtungsplätze vorhanden
vollbewirtschaftet
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58239 Schwerte
Übernachtungsplätze vorhanden
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