"Europa muss zeigen, dass ein grundlegender ökologischer Wandel möglich ist"

Rede der stellvertretenden NaturFreunde-Bundesvorsitzenden Regina Schmidt-Kühner auf der "Ein Europa für Alle"-Demonstration in Stuttgart

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Ende April / Anfang Mai trafen sich in Paris Vertreter*innen der Mitgliedstaaten des Welt-Biodiversitätsrates, um eine Bewertung der globalen Lage hinsichtlich der Artenvielfalt und ihrer Bedrohungen abzugeben. Das fatale Ergebnis lautet:

Das Artensterben auf der Erde nimmt bedrohliche Ausmaße an.

Jedes achte Tier, beziehungsweise jede achte Pflanze wird bald von der Erde verschwinden –, wenn wir unsere Lebens- und Produktionsweise nicht ändern.

Das Artensterben ist eine ähnlich große globale Herausforderung wie der Klimawandel. Und da stellt sich die Frage nach der Rolle und der Verantwortung Europas.

Zwar haben wir mit Natura 2000, also der FFH- und Vogelschutzrichtlinie, die Europas Naturschätze schützen sollen, ein europaweites Instrumentarium, aber das muss zum einen konsequent umgesetzt werden und zum anderen darf sich Europa nicht auf diesem Instrument ausruhen. Denn auch wir in Europa müssen unsere Lebens- und Produktionsweisen ändern.

Als ersten Schritt muss die Europäische Union endlich den Einsatz von Glyphosat verbieten. An unseren Äckern müssen Blühstreifen genauso wieder Normalität werden wie brütende Feldlerchen.

Wir wollen eine europäische Agrarpolitik, die öffentliches Geld in das Gemeinwohl und nicht in agrarindustrielle Interessen investiert. Wir wollen eine europäische Agrarpolitik, in der eine bäuerliche und klimagerechte Landwirtschaft möglich ist.

Artenschutz und Klimaschutz sind zwei Seiten einer Medaille. An ihnen entscheidet sich, wie die Menschheit künftig auf diesem Planeten leben wird. Wir in Europa, wir in den Industrienationen, sind diejenigen, die entscheidend umsteuern müssen.

Die Menschen in Afrika erleben die Folgen durch weitere Wüstenbildung oder Versalzung der fruchtbaren Flussdelta, tragen aber nicht zum Klimawandel bei. Sie tragen die Folgen unserer Lebens- und Produktionsweise.

Europa muss zeigen und Europa kann zeigen, dass ein grundlegender ökologischer Wandel möglich ist. Wir wollen ein Europa, das für konsequenten Klimaschutz steht.

Als NaturFreundin fordere ich euch auf: Erteilt den Nationallisten und Rechtsextremisten, erteilt den Klimaleugnern bei der Wahl am kommenden Sonntag eine Absage. Ein Europa für Alle!

In diesem Sinne grüße ich euch mit unserem NaturFreunde-Gruß

Berg frei, Welt frei, Mensch frei!