DenkMalTour: "Wir waren Nachbarn" - Auf den Spuren des jüdischen Berlins durch das Bayerische Viertel

16.07.2022 14:00 - 17:00 Uhr
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„Wir waren Nachbarn“ – Auf den Spuren des jüdischen Berlins durch das Bayerische Viertel

Kaum ein Wohnquartier in Berlin hat so viel Geschichte zu bieten wie das ab 1900 am Reißbrett entstandene Bayerische Viertel in Berlin-Schöneberg. Vornehme Fassaden, riesige Wohnungen mit Salons, reizvolle Platzanlagen und die eigene städtische U-Bahnlinie zeichneten einstmals den Reichtum des Viertels aus, das in den 1920er Jahren das Who-is-Who der Berliner Stadtgesellschaft anzog. Zahlreiche Prominente lebten und wirkten im Viertel, darunter Intellektuelle, Künstler, Politiker und Schriftsteller wie Albert Einstein, Eduard Bernstein, Erich Fromm, Gottfried Benn, Rudolf Breitscheid und viele weitere. Andere wie Inge Deutschkron, Marcel Reich-Ranicki oder Gisèle Freund wuchsen dort auf. 

In der Weimarer Zeit avancierte das Viertel dabei zum Epizentrum jüdischen Lebens in Berlin. Während in der damaligen Reichshauptstadt gerade einmal 4 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner jüdisch waren, schätzt man den Anteil im Bayerischen Viertel auf bis zu einem Drittel. Schon bald bezeichnete man das Viertel als „Industriegebiet der Intelligenz“ oder auch: „Jüdische Schweiz“. Durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten und den späteren Holocaust änderte sich das rapide und das liberale, offene, freie Leben im Viertel fand ein jähes Ende. Zahlreiche jüdische Einwohnerinnen und Einwohner emigrierten ab 1933 aus Deutschland. Rund 6000 der etwa 16.000 jüdischen Bewohnern des Bayerischen Viertels wurden 1943 in nationalsozialistische Vernichtungslager deportiert. Tausende fanden dort den Tod.  

Zum Ende des Krieges wurde das Viertel dann weitestgehend zerstört und anschließend im schmucklosen Stil der 1950er-Jahre wieder errichtet. Mit der Teilung Berlins zog das Abgeordnetenhaus im Rathaus Schöneberg ein und der Regierende Bürgermeister bezog darin seinen Amtssitz. Das Wohnquartier war plötzlich „Regierungsviertel“. 

In den 1980er Jahren begannen einige Bewohnerinnen und Bewohner des Viertels sich mit der jüdischen Geschichte ihres Wohnquartiers auseinanderzusetzen. Es entstand das Flächendenkmal „Orte des Erinnerns im Bayerischen Viertel", das auf 80 Tafeln an die Entrechtung, Vertreibung, Deportation und Ermordung der Berliner Jüdinnen und Juden erinnert.

Bei unserer DenkMalTour begeben uns auf die Spuren einer untergegangenen Welt. Im Fokus steht das jüdische Leben im Bayerischen Viertel. Immer wieder streifen wir dabei aber auch einhundert Jahre Stadtgeschichte. Von der Ackerfläche über das prunkvolle Wohnen im Kaiserreich bis hin zum Wiederaufbau einer schlichten, zweckmäßigen und autogerechten Stadt – in diesem Viertel manifestieren sich die Epochen der neueren Berliner Geschichte. 

Treffpunkt: Viktoria-Luise-Platz, am Brunnen
Dauer: etwa 2,5 Stunden

Wer möchte, kann anschließend noch die Dauerausstellung „Wir waren Nachbarn“ im Rathaus Schöneberg besuchen. Darin dokumentieren über 170 biografische Alben und 10 Hörstationen die Lebens- und Leidensgeschichte von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern aus Tempelhof-Schöneberg. Geschildert wird das Leben vor und nach 1933, die Flucht ins Exil, zumeist auch die Deportation und Ermordung von Familienangehörigen. Die biografischen Alben berichten aber auch vom Überleben und dem Leben nach dem Holocaust bis in die heutige Zeit.

Referent: Marius J. Brey

Die Veranstaltung wird von der Berliner Landeszentrale für politische Bildung gefördert. 

Ort/Unterkunft/Treffpunkt: 
Viktoria-Luise-Platz, am Brunnen, 10777 Berlin

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