"Wir kämpfen gemeinsam für ein Europa der Vernunft"

Rede von Anna Dahl, Naturfreundejugend NRW, auf der "Ein Europa für Alle"-Demonstration in Köln

Ich freue mich sehr, dass so viele Menschen heute nach Köln gekommen sind – das ist großartig. Der Grund für unsere gemeinsame Demonstration hat für mich als aktive NaturFreundin einen drängenden Hintergrund. Wir sind heute gemeinsam hier, um zu zeigen, dass wir nicht stumm bleiben können, wenn Nationalist*innen und Rechtsextreme über das Europaparlament versuchen wollen, ihren Rassismus weiter zu verbreiten.

Als Mitglied in einem alten Arbeiter*innenverband finde ich es erschreckend und widerlich, wie neoliberale und völkische Ansichten durch rechtsgerichtete Parteien salonfähig gemacht werden.

Ich bin heute mit euch hier, um ein klares Zeichen zu setzen: Europa braucht, wie die ganze Welt, Menschen wie uns, die sich zusammenschließen und ihre Themen auf die Straße und in die Parlamente bringen. Wir dürfen diesen Platz nicht ohne weiteres denen überlassen, die mit rechter Hetze ein Klima der Gewalt schaffen.

Ja, es gibt einiges zu kritisieren an Europa. Und ja, die Europäische Union kann nicht einfach so bleiben, wie sie ist.

Wo Menschen an sogenannten Außengrenzen unter elendigen Bedingungen verharren müssen und im Mittelmeer ertrinken, dort wo diejenigen, die ihnen helfen wollen, kriminalisiert werden und selbst in Gefängnisse sollen, müssen wir zu deren Verteidigern werden. Solidarität heißt an der Seite der Schwächsten zu stehen.

Wir stellen uns auch gegen den neuen Europa-Nationalismus. Wir brauchen keine Weltordnung, in der die westlichen Staaten den Welthandel diktieren oder sich in die Angelegenheiten anderer Länder einmischen. Die EU ist heute nicht nur eine Freihandelszone, sondern mit ihrer Zentralbank und dem Europäischen Währungsfond, mit Geheimdienst und außenpolitischer Richtlinie, eine Institution zur Sicherung von Konzernprofiten. Darunter leiden vor allem die Bevölkerungen in Ländern Afrikas und im Nahen Osten, die von der Wirtschaft Europas abhängig gemacht werden.

Dieser Eurochauvinismus ist eine weitere Seite des erstarkenden Rechtsrucks. Es ist eine logische Konsequenz des Kapitalismus, mit den Ängsten von Menschen zu jonglieren; mal werden nationale, mal europäische Interessen den Menschen als ihre eigenen verkauft, sodass sie nicht über soziale Ungleichheiten und Machtgefälle nachdenken können.

Dieses System dürfen wir nicht akzeptieren. Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung, auf bezahlbaren Wohnraum, medizinische Versorgung und ein Leben ohne Angst! Es ist genug für alle da. Die Grenzen verlaufen nicht zwischen den Ländern, sondern zwischen oben und unten.

Dort, wo wirtschaftliche Interessen vor die der Menschen gestellt werden, sagen wir entschieden: Nein!

Genau deswegen stehe ich heute mit euch hier. Weil wir uns einig sind, dass Menschenrechte verteidigt werden müssen. Weil wir eine Vision haben von einem Europa, das sich für das Wohl aller Menschen, aller Lebewesen einsetzt. Ein Europa, das zukunftsweisende Strategien entwickelt und die soziale Fragen mit dem drängenden Problem der ökologischen Katastrophe verbindet. Wir wollen eine Welt, in der alle Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen und niemand benachteiligt wird.

Dass so viele Menschen heute für eine solche, bessere Welt zusammen gekommen sind,  macht mir Mut. Wir kämpfen nicht alleine, sondern gemeinsam für ein Europa der Vernunft. Ich wünsche uns allen viel Kraft und Mut für alles, was vor uns liegt. Für ein friedliches und solidarisches Europa! Danke.