Zu viel Theorie macht müde

Warum Wuppertaler NaturFreunde auf Naturliebe, Kultur und das Ehrenamt setzen

Diskussion mit einem Zinsterzienser-Mönch
© 

Was können Ortsgruppen eigentlich zur Transformation der Gesellschaft beitragen? Immerhin ist die „solidarische Transformation“ ein großes NaturFreunde-Thema. Erst im April hat sich der 29. Bundeskongress in Arnstadt damit beschäftigt.

Wir brauchen einen nachhaltigen Lebensstil
Wir NaturFreunde in Wuppertal haben uns intensiv mit dem Thema befasst. Kurz zusammengefasst: Transformation meint den Umbau der Gesellschaft – hin zu mehr Nachhaltigkeit. Das fordern die NaturFreunde. Immer mehr Menschen vermuten, dass wir uns angesichts von Naturzerstörung, Ressourcenknappheit, Finanzkrisen und Überbevölkerung in einem gravierenden Epochenbruch befinden. Wir müssen uns einen anderen Lebensstil angewöhnen: einen nachhaltigeren Lebensstil.

Bei all den Sitzungen und Diskussionen haben wir schnell gemerkt: Zu viel Theorie macht müde. Deshalb haben wir uns bei Wanderungen und Radtouren einen Überblick verschafft: Wir haben gemeinsam Solar-, Biogas- und Windkraft-Anlagen besichtigt, mit den Bauherren von Niedrigenergiehäusern gesprochen, sogar mit einem Mönch über Verzicht diskutiert. Unsere wichtigste Erkenntnis ist: Wir NaturFreunde vor Ort können zur Transformation der Gesellschaft am meisten bei der Veränderung des Lebensstils beitragen. Und da sind wir schon ziemlich weit. Denn wir können einen Lebensstil authentisch vorleben, der geprägt ist von Naturliebe, kreativem Schaffen und ehrenamtlicher Arbeit. Das scheint alles andere als spektakulär, aber es ist ziemlich genau das Gegenteil zu der konsum- und wachstumsorientierten Lebensweise, die Natur und Gesellschaft immer stärker zusetzt.

Die Natur muss der limitierende Faktor sein
Wir vertreten schon jetzt einen qualitativen Lebensstil, der die Natur als limitierenden Faktor anerkennt: Wandern und kulturelles Schaffen verbrauchen keine Ressourcen. Es ist ein Lebensstil, der ehrenamtliche Arbeit schätzt, weil es freie, selbstbestimmte Arbeit ist, die ihre Erfüllung im sozialen Miteinander findet und nicht von den Gesetzen des Marktes dominiert wird.

Es ist ein guter Lebensstil, weil er eine gute Zukunft für alle verspricht. Viele Menschen interessiert das. Wir sollten stärker dafür werben.

Wolfgang Weil, NaturFreunde Wuppertal
Dieser Artikel ist zuerst erschienen in NATURFREUNDiN 2-2014

Ortsgruppe/n