18.000 Menschen forderten deutlich nachhaltigere Agrar- und Ernährungspolitik

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Am 21. Januar 2017 demonstrierten in Berlin 18.000 Menschen gegen die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft. 130 Traktoren aus ganz Deutschland führten die "Wir haben es satt!"-Demonstration an, die schon zum siebten Mal parallel zur Grünen Woche organisiert wurde und in diesem Jahr unter dem Motto "Agrarkonzerne: Finger weg von unserem Essen!" stand. Das Bündnis „Wir haben es satt!“, dem auch die NaturFreunde Deutschlands angehören, fordert in einem Neun-Punkte-Plan den tier-, umwelt- und klimagerechten Umbau der Landwirtschaft.

„Die Landwirtschaft in Deutschland muss dringend nachhaltiger und die Industrialisierung der Land- und Lebensmittelwirtschaft gestoppt werden,“ erklärte Eckart Kuhlwein, umweltpolitischer Sprecher der NaturFreunde Deutschlands. „Nur ein echter Systemwechsel in eine sozialökologische Agrarpolitik wird in eine gute Zukunft für Mensch und Natur führen.“

Erst vor wenigen Tagen hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks die „tiefe Krise“ bestätigt, in der sich die deutsche Landwirtschaft befindet. Die stehe laut Hendricks für „ein Modell, das Tiere, natürliche Ressourcen und letztendlich auch die arbeitenden Menschen ausbeutet“, für „Raubtierkapitalismus in Reinkultur“.

Die immer weiter zunehmende Industrialisierung der Agrarwirtschaft fördert Konzerne statt Bauern und lässt weltweit immer mehr Höfe sterben, verdrängt die handwerkliche Lebensmittelherstellung, laugt die Böden aus, verschärft den Hunger und die Mangelernährung von Hunderten Millionen Menschen, schadet der Artenvielfalt und verschärft die Klimakrise.

„Wir fordern ein Ende der Subventionen für die Agrarindustrie und den Stopp von Mega-Fusionen im Agrarsektor. Stattdessen brauchen wir Anreize für Bauern, die Tiere besonders artgerecht halten und umweltschonend wirtschaften“, sagte Jochen Fritz, Sprecher des „Wir haben es satt!“-Bündnisses. „Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt muss endlich dafür sorgen, dass die bäuerlichen Betriebe vom gesellschaftlich gewollten Umbau hin zu einer ökologischeren, tierfreundlicheren Landwirtschaft profitieren. Herr Schmidt darf nicht noch mehr Zeit verlieren und muss Agrarpolitik für Bauern statt Agrarindustrie machen!“

Fluchtursachen bekämpfen – Landraub verhindern
Die NaturFreunde Deutschlands machen mit ihrem Themenwagen im Demozug sowie durch riesige Luftballons auf das sogenannten Land Grabbing aufmerksam. So wird eine Entwicklung bezeichnet, bei der Fonds, Konzerne und staatliche Institutionen großflächig Land in den Staaten des globalen Südens aufkaufen, um damit zu spekulieren. Dadurch werden der kleinbäuerlichen Landwirtschaft Hunderte Millionen Hektar Ackerland entzogen und neue Fluchtursachen geschaffen.

Statt Bäuerinnen und Bauern weltweit Hunderte Millionen Hektar Ackerland zu entziehen, müssen die regionale Produktion und Vermarktung gefördert und Perspektiven in den ländlichen Regionen aufgebaut werden. Gerade im Wahljahr 2017 können in Deutschland die entsprechenden politischen Weichen gestellt werden.

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