Bericht: Hochtourenkurs in den Walliser Alpen

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Große Gletscher, Viertausender und exzellente Ausblicke – all dies bieten die Walliser Alpen dem versierten Bergsteiger. Genau das richtige Terrain, um die Fähigkeiten im Hochtourengehen zu schärfen. Als Dreierseilschaft mit Robin Willardt und Jens Lindemann, Tourenleiter beim DAV Konstanz und den NaturFreunden Deutschlands, trafen wir am Nachmittag des 07.09.17 in Saint-Jacques, dem letzten Ort des Val d’Ayas ein. In den nächsten Stunden folgten um die 1400 Höhenmeter Aufstieg zum Rifugio Mezzalama (3036m), wo aufgrund der bereits beendeten Bewirtschaftung auf die eigenen Kochkünste zurückgegriffen werden musste.

Am nächsten Morgen ging es, vorbei am Rifugio Guide della Val d’Ayas (3425m) zum nahegelegenen Gletscher Chiacciaio di Verra. Nachdem zuerst noch „auf dem Trockenen“ die Lose Rolle zur Spaltenbergung eingeübt wurde, ging es übers Eis weiter in die Höhe. Hier hatten wir nun gleich Gelegenheit, zum ersten Mal länger und mit voller Ausrüstung einen Gletscher zu beschreiten. Am Wegesrand konnte man sehr gut erkennen, wie unterschiedliche Arten von Spalten durch die Geländeform und die Bewegung des Eises geschaffen werden. Bei immer noch bestem Wetter erreichte man gegen Mittag die dramatisch über einem Felsabbruch gelegene Biwakhütte Rossi e Volante (3787m). Hier deponierten wir das Gepäck und gingen sodann den Roccia Nera (4075m), der östlichste Gipfel des Breithorns, an. Über eine ordentlich geneigte Eisflanke war der Gipfel bald erreicht. Auf dem Rückweg übten wir im steileren Gelände noch das Stürzen, sowie nochmals die Spaltenbergung. Ein weiteres Highlight war es, eine wasserführende Rinne frei zu pickeln, die uns die nächsten 24 Stunden mit Trinkwasser versorgen sollte. Die Nacht in der Biwakhütte war trotz der Höhe erholsam.

Für Samstag, den 09.09.17 war leider ab Nachmittag schlechtes Wetter angesagt. Zwar gelang es noch, den zweiten Breithorngipfel, Gendarm (4106m) zu besteigen und dabei das Sichern am laufenden Seil im Fels einzustudieren; auf dem Gipfel wurde jedoch klar, dass die Schlechtwetterfront früher als erwartet herangezogen und deshalb der Rückzug die bessere Option war. Also ließen wir die, im Nebel ohnehin nicht sichtbaren, weiteren Breithorngipfel zurück und machten uns auf den Weg nach unten. Das Biwak wurde geräumt und die Guide della Val d’Ayas Hütte angepeilt. Wieder gab es viel Neues zu lernen, da die Sichtweite dieses Mal ausgesprochen gering war und die tags zuvor gut sichtbare Aufstiegsspur zunehmend mit Graupel verweht wurde. An einer besonders schönen Spalte übten wir nochmals die Rettung mit dem Flaschenzug, die nun beim dritten Mal wirklich saß, sowie ein wenig Eisklettern. Da es nun immer stärker schneite, verbrachten wir den Rest des Nachmittages in der Hütte.

Der letzte Tag verkündete beste Bedingungen. Noch bei Mondlicht ging es erneut über den Gletscher los, wobei wir im Schnee die Herausforderung meistern mussten, eine Spur zwischen und über die Spalten hinweg zu finden. Im Sonnenaufgang peilten wir nun den nahen Pollux (4092m) an, der im Gegensatz zu seinem Zwilling Castor, gemischtes Gelände versprach. Zuerst war eine steilere Eisflanke auf dem Programm, wo wir das Sichern mit Eisschrauben erprobten. Diese verengte sich dann zu einer felsigen Rinne, wo wieder Felstechnik gefragt war. Es folgten noch zwei Passagen Kletterei mit standbasierter Sicherung. Hier, im steileren Fels, bedeutete der leichte Neuschnee doch eine zusätzliche Schwierigkeit und erhöhten Zeitaufwand. Nach Überwindung besagter Stufen standen wir vor dem Firnaufschwung des Gipfelgrats, was uns Neulingen Gelegenheit gab noch eine weitere Technik zu üben, nämlich das Gehen mit dem Sprungseil. Nach genussvoller Aussicht ging es im Abstieg frei durch die noch feste Firnflanke, jedoch bot der nachmittägliche Gletscher nun weichere Verhältnisse auf als am frühen Morgen und einige Spaltenbrücken erforderten nun echte Konzentration und Disziplin in der Seilführung. Zum Schluss blieb nur noch der lange Abstieg nach Saint-Jacques zu bewältigen, welches wir nun doch nicht mehr so früh gegen 19 Uhr erreichten.

Eine großartige Tour, die aufgrund ihres abwechslungsreichen Charakters uns Anfängern jede Menge Gelegenheiten bot, verschiedenste Sicherungstechniken zu erlernen und zu vertiefen, sowie unsere Sinne bezüglich der Hochgebirgsumwelt zu schärfen. Dass wir als absolute Hochtourenneulinge bereits dreimal die Viertausendmetermarke knacken konnten ist sicherlich der guten Planung und den noch sehr guten Bedingungen im Spätsommer zu verdanken. Herzlichen Dank an Jens für die Initiative.
Felix Kugele

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Hochtouren Walliser Alpen

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