Ein 100 Kilometer langer Flusswanderweg in Gambia?

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Ein 100 Kilometer langer Wanderweg, aufgeteilt in fünf Tagesetappen, immer entlang des Gambia-Flusses: Diese Idee lässt Gernot Henn nicht mehr los.

Der Münchner NaturFreund war Mitte Januar bei den Eröffnungsfeierlichkeiten der „Landschaft des Jahres 2018/19: Senegal/ Gambia“ und nahm danach an einer Natur-Freunde-Modellreise für sanften Tourismus teil. 40 europäische Besucher erkundeten dabei gemeinsam mit afrikanischen NaturFreunden die erste Landschaft des Jahres in Afrika und besuchten NaturFreunde-Projekte, lernten Einheimische kennen und hatten intensive Naturerlebnisse. Gernot etwa paddelte auf dem Gambia-Fluss.

„Die Mangrovenwälder sind wie ein Labyrinth, gelegentlich sieht man Affen, ansonsten ist es sehr still und die Natur von der Zivilisation noch unberührt“, erzählt er.

Mit nachhaltigem Tourismus die Armut der Landbevölkerung bekämpfen

In seinem Projektvorhaben geht es um die Planung und Realisierung eines fünftägigen Öko-Naturwander-Trails entlang des Gambia-Flusses. Dieser soll den nachhaltigen Tourismus fördern und durch die so entstehenden Einkommensquellen die Armut in dem westafrikanischen Land bekämpfen.

Die Kampagne "Landschaft des Jahres"
Jeweils für zwei Jahre erklärt die NaturFreunde Internationale (NFI) eine grenzüberschreitende, ökologisch wertvolle und gleichzeitig gefährdete Region zur Landschaft des Jahres. Das aktuelle Kampagnengebiet in Senegal und Gambia liegt südlich der Sahelzone und kämpft bereits stark mit Dürren und der Ausbreitung der Wüste. Die Folgen der weltweiten Klimastörung sind hier sehr real. Nicht zufällig steht diese Landschaft des Jahres unter dem Motto „Klimagerechtigkeit solidarisch leben“.

Das ist nicht etwa nur ein inhaltsleerer Spruch: Der NaturFreunde-Klimafonds zum Beispiel sammelt freiwillige Ausgleichszahlungen für klimaschädliche Emissionen von Flug- oder PKW-Reisen, die 2.000 Obstbäume in der Landschaft des Jahres finanzieren werden. Erste Setzlinge wurden bereits gepflanzt. „Für Ortsgruppen, die sich individueller engagieren wollen, bieten wir Vernetzungsmöglichkeiten“, sagt Petra Müller, Afrikakoordinatorin der NaturFreunde Deutschlands.

Konkret soll mit Genehmigung und Unterstützung der gambischen Behörden ein etwa 100 Kilometer langen Eco-Nature-Hiking-Trail durch den tropischen Galeriewald entlang des Gambia Flusses angelegt werden. Der Trail soll in fünf Tages-Etappen à 20 Kilometer unterteilt und die Etappenendpunkte als Übernachtungs- und Verpflegungspunkte ausgebaut werden (Hütten).

Die etwa zehn Personen starken Wandergruppen würden von ausgebildeten lokalen Nature Guides geführt, die die Wanderer in die Besonderheiten der regionalen Flora und Fauna sowie Kultur und Geschichte am Gambia Fluss einführen. Zeitversetzt könnten so bis zu 50 Personen in fünf Gruppen den Trail gleichzeitig begehen.

Ein Begleitboot transportiert das Gepäck

Die Wanderer laufen mit Tagesrucksäcken, wärend das schwere Gepäck wie Schlafsäcke, Ersatzkleidung oder gegebenenfalls auch die Verpflegung von einem Begleitboot zu den Etappenzielen transportiert wird. Die Verpflegung an den Übernachtungsplätzen könnte durch lokale Dorfbewohner in Form von landestypischer Kost organisiert werden. Der Rücktransport zum Ausgangspunkt erfolgt mit dem Boot auf dem Gambia-Fluss oder alternativ per Bus.

Man muss wissen: Gambia ist ein sehr armes Land – Hauptexportartikel Erdnüsse – und hat erst seit dem Jahr 2017 eine demokratische Regierung. Die möchte das Land nun dem Tourismus öffnen. Der geplante Flusstrail würde Perspektiven entwickeln für die nachhaltige Entwicklung und Förderung eines sanften und ökologischen Tourismus, sofern auch die lokale Bevölkerung einbezogen wird (Guides, Köche, Bootstransport, Hüttenbau).

Es geht in diesem Vorhaben also auch darum, die Menschen in Gambia zu unterstützen, eine ökologische touristische Infrastruktur zu entwickeln und einen sanften Tourismus anzukurbeln, der Einkommensquellen schafft und somit zur Bekämpfung der Armut im Land beiträgt. Das Projekt würde zudem einen konkreten Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung und den behutsamen Umgang mit den verfügbaren natürlichen Resourcen leisten. Beim Betrieb des Trails würde nämlich gezielt darauf geachtet, die Klimaneutralität zu wahren, Natur und Umwelt zu schützen und sowohl die Touristen als auch die regionale Bevölkerung diesbezüglich zu sensibilisieren.

Ehrenamtliche Projektförderung gemeinsam mit den gambischen Behörden

Gernot Henn möchte die Planung und Realisierung das Projektes ehrenamtlich übernehmen und dabei eng sowohl mit den örtlichen gambischen Behörden zusammenarbeiten als auch mit der NaturFreunde Internationale (NFI) sowie der gambischen Organisation JUST ACT (Janjanbureh Uniting Sustainable Tourism And Community Training).

Ende 2018 plant er für einen Zeitraum von drei bis vier Monaten in Gambia tätig zu sein, um vor Ort die erforderlichen Planungs- und Umsetzungsaktivitäten zu koordinieren und zu überwachen. Auch eine weiterführende Betreuung und Steuerung des Projektes durch ihn (und gerne auch weitere ehrenamtliche Mitarbeiter) ist eingeplant.

Nach Fertigstellung des Trails soll dieser in einschlägigen internationalen Medien beworben werden. Finanzieren soll sich der Flusswanderweg durch die Erhebung einer Gebühr, die es einem noch zu gründenden gambischen Förderverein ermöglichen wird, den Trail eigenverantwortlich weiterzutragen. Die Einnahmen aus der Gebühr sollen dann nämlich zur Deckung der laufenden Kosten und zur Erhaltung der Einrichtungen verwendet werden. Eventuelle Überschüsse sollen in weitere Förderprojekte dieser Art fließen.

Gernot Henn kontaktieren
mail@henn-g.de

Weitere Bilder

Galerie Flusswanderweg Gambia

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Gernot Henn
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