„Un évènement exceptionnel“

Am 18. Juli präsentiert die Tour de France sechs Naturfreundehäuser in den Vogesen

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„Pour le week-end du Tour de France? Da sind wir leider bereits vollständig ausgebucht (déjà complet). Viel Erfolg (bonne chance) bei den anderen Naturfreundehäusern.“

Merde, mit dieser Absage von Hausreferentin Christine Schmitt hatte ich nicht gerechnet. Die Idee war, mit der Familie die Vogesenetappe der diesjährigen Tour de France zu besuchen und dabei in einem Naturfreundehaus an der Strecke zu übernachten. Das Chalet du Treh, ein „refuge“ (Zuflucht) der französischen Ortsgruppe Mulhouse, liegt direkt an der Strecke, kaum zwei Kilometer vom Etappenziel entfernt. Parfait pour le Tour de France!

Es ist nicht etwa so, dass ich Französisch spräche – „pardon, français zéro“ –, aber ich nutze a) Übersetzungsprogramme, besuche b) gerne Radrennen im Ausland und versuche c) bei meinen Reisen möglichst auch irgendwo im Naturfreundehaus zu übernachten. Das „La Maison Verte“ im wallonischen Ath zum Beispiel liegt optimal für einen Besuch der flämischen Kopfsteinklassiker. Vom Naturfreundehaus „Le Hurlevent“ in Fraipont radelst du in einer Stunde zu den legendären Anstiegen von Lüttich–Bastogne–Lüttich. Und für die Radsportweltmeisterschaft in Zürich wollte ich auf dem NaturFreunde-Zeltplatz am Greifensee campen – 200 Meter neben der Strecke.

Am 18. Juli also die Tour in den Vogesen: 14. Etappe, 155 Kilometer von Mulhouse ins Skigebiet Le Markstein, eine Bergetappe mit knapp 4.000 Höhenmetern, der letzte Anstieg zum Col du Haag (11,2 km / 7,3 %) führt auf einem schmalen Weg durch den Wald. Das wird une célébration du cyclisme, so viel ist mal sicher.

6 von 22 Naturfreundehäusern und -campingplätzen in den Vogesen

Möglicherweise wird sich kaum noch jemand daran erinnern, dass Jan Ullrich seinen (gedopten) Toursieg 1997 auf einer kalten, verregneten Vogesenetappe fast wieder verloren hätte. Und ganz sicher wissen auch nicht alle, dass es in den Vogesen 22 Naturfreundehäuser und -campingplätze gibt. Allein sechs davon liegen an oder in unmittelbarer Nähe der Vogesenetappe am 18. Juli. Ich muss da einfach hin.

Das erste Naturfreundehaus kommt zum Beispiel schon gut 24,5 km nach dem Start, mitten im ersten großen Anstieg zum Grand Ballon. Das Refuge du Molkenrain ① steht nicht direkt an der Tourstrecke (D 431), sondern etwa 700 m Luftlinie westlich, knapp unterhalb des Molkenrain-Gipfels, auf 1.100 m Höhe. Der GR5 (Weitwanderweg Grande Traversée des Vosges) führt direkt an diesem Selbstversorgerhaus mit 30 Betten vorbei, das auch fußläufig zum Hartmannswillerkopf liegt – dem „Menschenfresserberg“, einer Gedenkstätte des Ersten Weltkrieges. Das Tour-Peloton fährt direkt daran vorbei.

Molkenrain

Bei 45,5 km – 1,7 km nach der ersten Zieldurchfahrt und am Beginn der Abfahrt zum Lac de Kruth – steht keine 100 m links unterhalb der Strecke (D 27) das Chalet du Treh ②. Das Selbstversorgerhaus mit Teilbewirtschaftung auf 1.110 m Höhe hat 40 Betten, eine große Terrasse in Südlage, ein Volleyballfeld, Tischtennisplatten und sogar eine Fahrradgarage. Viele Wanderwege sind in unmittelbarer Nähe, der GR5 ist 1 km entfernt, das Skigebiet Le Markstein 2 km. Sogar Paragliding ist hier möglich.

Le Treh

Bei etwa 70 km, im Anstieg zum Col du Page, biegt das Peloton links von der D 43 ab. Würde man stattdessen 5 km weiter geradeaus bis in die kleine Wintersport-Gemeinde Ventron fahren, käme man zum Naturfreundehaus Les Falères ③. Dieses Selbstversorgerhaus auf 790 m Höhe wird von der Ortsgruppe Richwiller betrieben, hat 33 Betten in 6 Zimmern und Solarmodule auf dem Dach. In der Gegend werden die „Bonbons des Vosges“ hergestellt.

Les Faleres

In der darauffolgenden Abfahrt vom Col du Page, bei etwa 80,5 km, biegt das Peloton rechts auf die N 66 ab. Würde man stattdessen scharf links nach Westen abbiegen, käme man nach gut 10 km zum Selbstversorgerhaus Le Haut-Mahrel ④ mit 36 Schlafplätzen auf 640 m Höhe. Zum Ziel wären es von hier eigentlich nur knapp 25 km, das Peloton dreht allerdings noch eine 75-km-Runde.

Le Haut Mahrel

Bei etwa 97,5 km, in der Abfahrt vom Ballon d’Alsace (1.173 m), steht dann 50 m rechts neben der Strecke das Naturfreundehaus Quand Même ⑤ auf 1.060 m Höhe. Dem aufmerksamen Fernsehzuschauer könnte möglicherweise die kleine Brücke auffallen, mit der ein Skilift und eine Skipiste über die D 466 geführt werden. Das Selbstversorgerhaus mit 54 Betten liegt nämlich direkt im Familien-Skigebiet Ballon d’Alsace, sogar Busse können den Parkplatz anfahren. Allerdings ist es wegen Renovierungen bis auf Weiteres geschlossen.

Le Quand Meme

Schließlich folgt bei etwa 122 km, im Anstieg zum Col du Hundsruck, das Chalet de Bourbach-le-Bas ⑥ der Ortsgruppe Mulhouse-Solidarité. Das Naturfreundehaus liegt etwa 3 km Luftlinie südöstlich (rechts) des durchfahrenen Ortes Bourbach-le-Haut. In diesem Selbstversorgerhaus mit 20 Schlafplätzen geht es scheinbar lustig zu, die Ortsgruppe feiert gerne und bietet auch schon mal „Sanglier à la Broche“ (Wildschwein am Spieß) an. Das wäre ja genau mein Ding.

Le chalet de Bourbach le Bas

Ich hake noch mal nach im Chalet du Treh. „Vielleicht können wir ja neben dem Haus irgendwo zelten, wäre das vielleicht möglich?“ Und tatsächlich antwortet Christine Schmitt: „Oui, s’agissant d’un évènement exceptionnel, en tente c’est exceptionnellement possible.“ Übersetzt: „Ja, da es sich um eine außergewöhnliche Veranstaltung handelt, im Zelt ist es ausnahmsweise möglich.“

Fantastique, ich kann mein Glück kaum fassen. Natürlich, „un évènement exceptionnel“ – die Franzosen lieben ihre Tour. Und ja, es wird eng, wir werden irgendwo reingequetscht und müssen uns mit den anderen Hausgästen wegen der Sanitäranlagen abstimmen. Ist ja alles vollständig ausgebucht. Aber zéro problemo, denke ich mir, absolut zéro. J’adore les Amis de la Nature, vive le Tour, Berg frei!

Es gibt sogar auch einen NaturFreund, der die Tour mitfährt. Radprofi Felix Großschartner (Team UAE) ist Mitglied der oberösterreichischen Ortsgruppe Wels und hat bereits drei Tour-Teilnahmen hinter sich. 

Samuel Lehmberg

Update (13.7.2026): Das Naturfreundehaus Chalet du Treh ist für das Tour-Wochenende 2026 leider komplett ausgebucht und nimmt auch keine Zelte mehr auf.

(Dieser Artikel ist bereits erschienen in NATURFREUNDiN 2-26, dem Mitgliedermagazin der NaturFreunde Deutschlands.)