FARN-Fachtagung | Prima Klima?

Radikalisierungstendenzen und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im Natur- und Umweltschutz

Kosten: 

45 Euro mit Übernachtung/25 Euro ohne Übernachtung
Teilnahme nur am 7.11.2019 ist möglich.

Auskunft & Anmeldung: 

FARN – Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz
c/o NaturFreunde Deutschlands
Warschauer Str. 58a/59a
10243 Berlin
Silke Dehm
seminare@nf-farn.de
(030) 29 77 32 -68

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Der Klimawandel schreitet voran. Der ökologische ebenso wie der gesellschaftliche. Hitzerekorde, Dürre und Überschwemmungen. Klimaflüchtlinge, Abschottungsfantasien und der Rückzug ins Eigene. Auch die Menschen im globalen Norden bekommen nun die Auswirkungen der CO2-Emissionen zu spüren. Und sie beginnen zu erahnen, dass die Zukunft mehr bringen wird als lange Sommer und Baden in der Nordsee.

Wie umgehen mit der Krise, lautet die zunehmend drängende Frage. Die Antworten hierauf sind mannigfaltig. Nicht alle sind demokratisch und an den allgemeinen Menschenrechten orientiert. Nicht alle setzen auf Selbstbestimmungsrechte, Emanzipation und Gleichheit. Die zweite FARN-Fachtagung nimmt aktuelle Konzepte und Denkmodelle des Natur- und Umweltschutzes in den Fokus und unterzieht sie einer kritischen Betrachtung. Identifiziert und diskutiert werden insbesondere solche Ansätze, die rassistische, rechtsextreme, diskriminierende und sozialdarwinistische Symptome aufweisen.

6. November 2019

19.30 Uhr bis 21 Uhr | Vortrag und Diskussion

Die Klimaschmutz-Lobby: Wie Klimaleugner, Neue Rechte und neoliberale Thinktanks gemeinsam für eine fossile Weltordnung im 21. Jahrhundert kämpfen

Klimawandelskeptiker und Lobbyisten der Fossilindustrie sind nicht nur in den USA aktiv, sondern auch in Europa. Ihr Ziel: Klimaschutzgesetze torpedieren, die Verbrennung fossiler Rohstoffe fördern und die Staaten dazu bewegen, aus dem Pariser Weltklimaabkommen auszusteigen. Der Vortrag soll einen Eindruck geben, mit welchen Strategien, Netzwerken und Argumenten die fossile Lobby gegen die europäische Klimaschutzpolitik kämpft. Anhand einzelner Anekdoten und komplexer Netzwerke zeigt Susanne Götze, welche unterschiedlichen "Arten" von Klimaleugner es gibt und welche Interessengruppen sich derzeit koordinieren, um die ökologische Transformation in Europa zu verhindern und ein Ende fossiler Brennstoffe so lange wie möglich zu verzögern.
Susanne Götze, Historikerin und freie Journalistin

7. November 2019

9.00 Uhr | Begrüßung

9.30 Uhr |Impulsvortrag

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit – Ein Vorurteil kommt selten allein

Als Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) können abwertende Einstellungen gegenüber Menschen verstanden werden, die gesellschaftlich als »Andere« konstruiert werden. Dabei gehen wir davon aus, dass diese Vorurteile nicht getrennt voneinander zu betrachten sind, sondern über einen ideologischen Kern der Ungleichwertigkeit miteinander verbunden sind. Der Vortrag soll in das GMF-Konzept einführen und theoretisch wie empirisch aufzeigen, dass unterschiedliche Vorurteile zusammen auftreten und auf diese Weise nicht zuletzt die Frage nach der Stabilität der Demokratie betreffen. Mit neuen Ergebnissen aus der Reihe der »Mitte-Studie« berichten wir über die Verbreitung und Zusammenhänge von menschenfeindlichen Einstellungen, wie diese sich mit politischen Überzeugungen verbinden und sich in der Mitte der Gesellschaft ausformen. Dabei lassen sich für bestimmte Bevölkerungsgruppen wesentliche Unterschiede in der Zustimmung zu GMF nachzeichnen, die wir z.B. für unter 30-Jährige genauer in den Blick nehmen werden.
Johanna Pangritz, Diplom-Pädagogin | Nico Mokros, B.A. Erziehungswissenschaft u. Psychologie vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG), Universität Bielefeld

11.00 Uhr bis 11.30 Uhr | Pause

Workshops

11.30 Uhr bis 13.30 Uhr | Forum I

  • Ökologie als Herrschaftskritik
    Innerhalb der herrschafts- und kapitalismuskritischen Linken werden Umwelt- und Klimagerechtigkeit manchmal als Ökokram belächelt. Gleichzeitig fehlt in Teilen der Umweltbewegung(en) ein Bewusstsein für Herrschaftsverhältnisse. In diesem Workshop wollen wir gemeinsam aus herrschaftskritischer Perspektive das Verhältnis von Gesellschaft und Natur im Kapitalismus unter die Lupe nehmen. Wir beleuchten dabei gängige Deutungen der Ökokrise und das Aufkommen von Öko-Bewegungen – auch in (neu-)rechten Kreisen. Wie kann eine Verknüpfung von Herrschaftskritik und Ökologie aussehen? Was bedeutet das für eine sozial-ökologische und emanzipatorische Linke? Welche Widersprüche tun sich auf? Welche positiven Beispiele gibt es schon?
    Carla und Marvin, Arbeitsschwerpunkt Gesellschaftliche Naturverhältnisse (GesNat) der Bundeskoordination Internationalismus (BUKO)
     
  • Wie gelingt gute Präventionsarbeit gegen Radikalisierung?
    In den letzten Jahren wurden im Bereich der Radikalisierungsprävention viele Projekte und Maßnahmen entwickelt. Mit mehreren Hundert Millionen Euro haben Bund und Länder unterschiedlichste Präventionsprogramme gefördert und so zur Entstehung einer breiten Projektlandschaft beigetragen. In diesem Workshop wollen wir uns daher zunächst einen Überblick über die bestehende Projektlandschaft verschaffen. Wie strukturiert sich das Feld der Radikalisierungsprävention in Deutschland? Welche unterschiedlichen Präventionsansätze und Handlungsstrategien gibt es und auf welcher Ebene der Prävention setzen diese jeweils an? Über die Beschreibung des Ist-Zustandes hinaus soll neben ausgewählten Handlungsstrategien vor allem aber auch die Frage diskutiert werden, wie eine wirksame Radikalisierungsprävention im Bereich des Natur- und Umweltschutzes aussehen kann.
    Manuela Freiheit, Diplom-Soziologin und Mitarbeiterin am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG), Universität Bielefeld
     
  • Weniger Klimawandel durch weniger Menschen? Feministische Kritik an Bevölkerungspolitik
    Wer davon spricht, dass die Erde „überbevölkert“ sei, sagt damit zugleich, dass es zu viele Menschen gebe. Doch welche Menschen sind zu viel? Wer bestimmt die Kriterien dafür? Und welche Maßnahmen folgen aus einer solchen These? Die Forderung nach Bevölkerungskontrolle lässt sich auch von Akteur*innen aus dem Umweltbereich hören. Sie argumentieren, dass Bevölkerungswachstum verantwortlich für den Klimawandel sei. Sie stützen sich dabei häufig auf die These, dass die Bevölkerung ohne Bevölkerungskontrolle zu schnell oder gar exponentiell wachse und damit die Grenze der „Tragfähigkeit der Erde“ überschreite. Der Vortrag stellt kritische Positionen gegen ein solches neomalthusianisches Denken aus einer feministischen und antirassistischen Perspektive vor und informiert über die repressive Geschichte und Gegenwart internationaler Bevölkerungsprogramme.
    Dr. Daniela Gottschlich, Politikwissenschaftlerin, diversu e. V.

13.30 Uhr bis 14.30 Uhr | Mittagspause

14.30 Uhr bis 16.30 Uhr | Forum II

  • Die Anastasia-Bewegung – Esoterische Heilsversprechen, Rechtsextremismus, gefährliche Pseudomedizin und menschenfeindliche Ideologie
    Die zehnbändige Buchreihe „Anastasia – Die klingenden Zedern Russlands“ gibt genaue Anweisungen zur Lebensführung, die die Menschen wieder zurückführen soll zu einem gesunden, naturnahen Leben und zur Autarkie. Grundsätzlich durchaus schöne Ideen. Bei näherer Betrachtung dieser Lebensführung wird aber sehr schnell klar, dass es sich um ein antifeministisches, antidemokratisches Weltbild handelt. In den Büchern wird offen rassistisch und mittels einer antisemitischen Karmathese argumentiert. Viele Protagonisten sind mit Rechtsextremist*innen und Reichsbürger*innen vernetzt, posten in Social Media antisemitische, rassistische Aussagen und leugnen den Holocaust. Die Ablehnung der Schulmedizin geht soweit, dass Anastasia-Anhänger*innen ihren Kindern jeglichen Impfschutz verwehren und statt wirksamen Medikamenten Substanzen wie MMS und Wasserstoffperoxid verabreichen, die nicht für medizinische Anwendungen zugelassen sind und zu schweren Schädigungen führen können.
    Raimond Lüppken, freier Journalist und Rechtsextremismus-Experte
     
  • Klimagerechtigkeit antirassistisch und antifaschistisch denken
    Um antirassistische Praxen und Klimakämpfe zusammendenken zu können, geht es zum einen darum Strategien der Rechten zu durchschauen, also Narrative autoritärer Regime bezüglich der Klimakrise zu verstehen. Gleichzeitig ist der Blick nach "innen" unerlässlich, um Machtstrukturen innerhalb der Klimabewegung offenzulegen und zu reflektieren. In diesem Workshop wollen wir diskutieren und herausarbeiten, wie Antirassismus als Querschnittsthema die Chance hat, Klimakämpfe progressiver und machtkritischer zuzuspitzen.
    Katrina Mc Kee, Politikwissenschaftlerin, Gemüsegärtnerin, Bildungsreferentin und Aktivistin im Bereich Antirassismus, Bleiberecht, Bewegungsfreiheit und Ernährungssouveränität
     
  • Rechtsextremismus im Internet
    Der zweistündige interaktive Vortrag widmet sich der Thematik "Rechtsextremismus im Internet". Der Schwerpunkt wird dabei auf Inszenierungsformen rechtsextremer Akteur*innen liegen: Wie präsentieren sie sich online und welche Strategien verfolgen sie? Speziell die direkte und indirekte Ansprache von Jugendlichen soll dabei in den Blick genommen werden sowie Möglichkeiten, diesen Phänomenen in der pädagogischen Praxis zu begegnen.
    Michael Hebeisen, Fachreferent für Rechtsextremismus bei jugendschutz.net

16.30 Uhr bis 16.45 Uhr | Pause

16.45 Uhr bis 17.30 Uhr | Schlussplenum

Ort/Unterkunft/Treffpunkt: 
Jugendherberge Ostkreuz, Marktstraße 9-12, 10317 Berlin

Anmeldung FARN

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EZ wenn verfügbar und gegen Aufpreis
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