Love Nature. Not Fascism. Das Politik-Festival

30.09.2022 bis 03.10.2022
Kosten: 

30 Euro, Anreise kann in Gruppen organisiert werden

Auskunft & Anmeldung: 

FARN – Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz
c/o NaturFreunde Deutschlands
Warschauer Str. 58a/59a
10243 Berlin
Silke Dehm
politik-festival@nf-farn.de
(030) 29 77 32 68
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Das FARN-Politik-Festival „Love Nature. Not Fascism.“ bringt junge ökologisch und politisch engagierte Menschen aus ganz Deutschland zusammen. Zahlreiche Workshops und Vorträge bieten die Möglichkeit, sich intensiv mit dem Themenfeld „Naturschutz, Umweltschutz und Rechtsextremismus“ auseinanderzusetzen. Mit dem erworbenen Wissen kann antidemokratischer Natur- und Umweltschutz im eigenen Umfeld rechtzeitig identifiziert werden.

Demo-, Aktions- und Argumentationstrainings sowie Selbstreflektions- und Empowermentangebote liefern erste wertvolle Handlungsoptionen, um schließlich gemeinsam mit anderen Verbündeten gegen Instrumentalisierungs-  und Unterwanderungsversuche vorzugehen. Das Festival bietet aber auch Austausch und Vernetzung, Musik und Tanz, Lagerfeuer, sportliche Aktivitäten in der Natur und Kreatives.

Auszug aus dem Programm


Völkische Landnahme. Alte Sippen, junge Siedler*innen, rechte Ökos
Seit Jahren siedeln sich junge Rechtsextreme bewusst in ländlichen Regionen an, um dort generationsübergreifend "nationale Graswurzelarbeit" zu betreiben. Dieser unauffällige Aktionismus ist gegen die moderne und liberale Gesellschaft der Großstädte gerichtet, es herrschen alte Geschlechterbilder und autoritäre Erziehungsmuster vor. Die Aussteiger*innen von rechts betreiben ökologische Landwirtschaft, pflegen altes Handwerk und nationales Brauchtum, organisieren Landkaufgruppen und eigene Wirtschaftsnetzwerke, die bundesweit agieren. Sie bringen sich in örtlichen Vereinen ein und gehen in die lokale Politik, um Umweltschutz mit "Volksschutz" zu verbinden und eine angebliche "Überfremdung" zu verhindern.
Referentin: Andrea Röpke, Journalistin

Rechte Esoterik – Wenn sich alternatives Denken und Extremismus gefährlich vermischen
Krisenlagen wie die Covid-19-Pandemie und der Ukraine-Krieg haben eine Vielzahl von Verschwörungstheorien zum Vorschein gebracht. Vernetzungen, die schon vorher zwischen rechten Esoteriker*innen, Reichsbürger*innen und Verschwörungsgläubigen bestanden, sind in den Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit getreten. Alles harmlos? Nicht ganz, denn die Risiken und Nebenwirkungen für die Demokratie sind erheblich. Der Vortrag beleuchtet die Szene der bislang kaum erforschten rechten Esoterik, zeigt die personellen Vernetzungen ihrer Akteur*innen und ihre digitalen Kanäle auf. Dabei wird deutlich, dass uns neue und bisher unbekannte Vernetzungen rechter Esoteriker*innen gegen eine vermeintliche „Diktatur“ begegnen.
Referent: Dr. Matthias Pöhlmann, Kirchenrat, Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern sowie Lehrbeauftragter für Religionswissenschaft und Religionsgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Die Krise der Männlichkeit und die Neue Rechte
Referentin:
Veronika Kracher

Wenn die Luft brennt. Argumentieren gegen Klimawandelleugnung
Klimawandelleugnung, (extrem) rechte Einflussnahmen und die Verunglimpfung von Klimaaktivist*innen begegnet uns am Kaffeetisch genauso wie in der Politik. Der Workshop bietet einen Überblick über Kommunikationsstrategien von Klimawandelleugner*innen und bietet in praxisorientierten Methoden Gesprächsstrategien gegen diese an. Ziel ist die Stärkung der Handlungsfähigkeit der Teilnehmenden im Umgang mit solchen Aussagen und Positionen.
Referent: Peps Gutsche, Gegenargument

Nationalparks im Globalen Süden: Zwischen Naturschutz und Kolonisierung
In diesem Workshop wird es um die Verbindung von Nationalparks und Kolonisierung gehen. Dabei werden Konzepte und Narrative rund um Nationalparks anhand des Beispiels Argentinien besprochen. Dort wurden beispielsweise Artefakte hingebracht, was einerseits für eine internationale Offenheit spricht, aber andrerseits der Kolonisierung diente. Der Workshop lädt zur Reflexion dieser Vorgehensweisen in Argentinien und anderer Fallbeispiele ein.
Referent: César Limaylla Bustamante, Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN)

Naturerholung, Naturbildung und Alltagsrassismus
Die Gruppe Reclaim The Forest setzt sich dafür ein, Naturräume für von Rassismus betroffene Menschen zugänglicher zu machen. Das wird nicht nur durch rechtsextreme Strukturen, sondern vor allem durch Alltagsrassismus erschwert. Mit diesem Problemfeld setzen sich die Vortragenden auseinander.
Referent*innen: Reclaim The Forest

Zwischen Anti-Speziesismus und Eugenik
Antispezeisismus bedeutet, dass wir alle Lebewesen als gleichberechtigt wahrnehmen. Die Veranstaltung beschäftigt sich sich mit Peter Singer, der Tierbefreiungsbewegung und dem Zusammendenken von Tierbefreiung, Eugenik, Inklusion und Behindertenfeindlichkeit. Wenn Schmerzempfinden und Selbstbewusstsein die entscheidenden Kategorien einer utilitaristischen Leidabwägung sind, welche Konsequenzen entstehen hierbei für Behinderte? Die Veranstaltung findet in deutscher Lautsprache statt und richtet sich an alle Geschlechter. Vorwissen wird nicht benötigt.
Referent*innen: Minzgespinst

Angst und Wut – Emotionen als Kernelement von Verschwörungsideologien
Referent*innen:
Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V.

Naturschutz und Rechtsextremismus
Immer wieder sind demokratische Akteur*innen des Natur- und Umweltschutzes sowie des (ökologischen) Landbaus mit Kooperationsanfragen, Vereinnahmungsstrategien und Unterwanderungsversuchen von rechts konfrontiert. Welche Beweggründe haben extrem rechte Akteur*innen sich in diesen Themenfeldern zu engagieren? Welche Ziele verfolgen sie? Der Workshop sensibilisiert für die historischen und die aktuellen Verknüpfungen des deutschen Natur- und Umweltschutzes mit extrem rechten Ideologien. Das Angebot versetzt die Teilnehmer*innen in die Lage, demokratiefeindliche und menschenverachtende Ideologien und Denkmuster im Natur- und Umweltschutz zu identifizieren. Darauf aufbauend können mögliche Handlungsoptionen im Sinne einer Prävention und Intervention erarbeitet und diskutiert werden.
Referent*innen: Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN)

Klimaschutz und Bevölkerungskontrollpolitik: Weniger Klimawandel durch weniger Menschen?
Referentin:
Daniela Gottschlich, Cusanus Hochschule

Marx und die ökologische Frage
Als Begründer des Marxismus verbinden auch heute noch viele mit Karl Marx den Ökonomen, Sozialisten und Philosophen, dem es vor allem um die Ökonomie, aber nicht um die Ökologie ging. Der Workshop will dieses Vorurteil hinterfragen und anhand aktueller Diskussionen und wissenschaftlicher Arbeiten den „grünen Marx“ vorstellen.
Referent: Uwe Hiksch, NaturFreunde Deutschlands

Verstehe die Zeichen - Symbole und Codes der extremen Rechten
Sie gehören zu unserem Alltag und helfen uns dabei, uns zurecht zu finden: Zeichen und Symbole. Ob der Fluchtweg oder der politische Button, hier handelt es sich um extrem verdichtete Inhalte und Nachrichten. Teils kommunizieren diese Symbole sehr allgemeinverständlich ihre Botschaft, was ein Hakenkreuz bedeutet ist allen klar. Andere Symbole richten sie sich nur an jene, die den Code kennen: Wer kennt schon das von der völkischen Bewegung propagierte Symbol der Irminsul?
Viele Zeichen haben eine lange Geschichte in der extremen Rechten und sind eng mit der Entwicklung bestimmter ideologischer Vorstellungen verknüpft. Das trifft auch für jene Teile der extremen Rechten zu, die in der Kontinuität der völkischen Bewegung stehen, die sich mit Natur, Heimatschutz und oftmals auch mit Neuheidentum oder New Age beschäftigen. Akteur*innen der extremen Rechten nutzen Zeichen, Symbole und Codes um sich inhaltlich zu positionieren, um offensichtlich zu provozieren oder auch um sich Kamerad*innen zu erkennen zu geben. Wer ihre Zeichen deuten und diese entschlüsseln kann, der ist klar im Vorteil. In dem Workshop wird es nicht nur darum gehen, was Symbole uns sagen, sondern auch darum, welche Strategien im Umgang mit den Symbolen und deren Träger*innen existieren und unter welchen Bedingungen sie erfolgreich sind.
Referent*innen: Argumente und Kultur gegen rechts e.V.

Mitdenken von jüdischen Menschen und Perspektiven in der Klimagerechtigkeitsbewegung
Referent*innen:
radikal_jüdisch Bildungskollektiv

Keine Biodiversität ohne menschliche Vielfalt
Referent*innen:
Survival International

Auf Spurensuche am Sonntagmorgen
Welches Tier hat am Ubbedisser Berg genächtigt und wessen Pfotenabdruck findet sich im Matsch des Sussieksbach? Wir nutzen die Morgenstunden um uns auf die Suche nach Spuren und Zeichen großer und kleinerer Tiere zu begeben. Mit vielen Fragen, gemeinschaftlichem Denken und genauem Beobachten versuchen wir die verschiedenen Waldrätsel zu lösen, die wir beim respektvollen Erkunden entdecken.
Referent: Henning Nahm, Rucksack-Waldschule Berlin

Kritischer Austausch zu Wildnispädagogik am Lagerfeuer
Die Wildnispädagogik, wie sie heute an sog. Wildnisschulen gelehrt wird, nahm ihren Ursprung in den USA der 1970er Jahre und wurde später auch in Europa (v.A. in Skandinavien und Deutschland) populär. Sie verspricht tiefe Naturverbindung und ein von Indigenen Kulturen inspiriertes Leben und Lernen. In der Tat helfen viele Methoden der Wildnispädagogik, sich intuitiv und mit allen Sinnen Natur- sowie Survivalwissen anzueignen. Werte wie Gemeinschaft, tiefer Respekt vor dem Leben und Ganzheitlichkeit haben einen hohen Stellenwert.
Beim genaueren Hinsehen offenbart sich jedoch eine naturspirituelle Szene, die sich in Teilen wenig von esoterischen und auch verschwörungsideologischen Denkmustern und Gruppierungen abgrenzt. Einzelne Akteur*innen der Wildnispädagogik fallen durch eine latente Rechtsoffenheit auf, während große Teile der weiß dominierten "Wildnisszene" die kritische Auseinandersetzung mit problematischen Aspekten wie kultureller Aneignung, Rassismus und Kolonialismus meiden. Prepping, antifeministische Tendenzen sowie Personenkult tauchen ebenfalls immer wieder auf und werden kaum hinterfagt.
Referent*innen: Henning Nahm und Anna Kolossova. Beide arbeiten seit vielen Jahren mit Gruppen in der Natur und haben auch Ausbildungen an Wildnisschulen absolviert, setzen sich aber zunehmend kritisch mit der Wildnispädagogik auseinander und möchten an einem Abend am Lagerfeuer ihre Erfahrungen teilen. Die Teilnehmenden sind herzlich eingeladen, sich ebenfalls über ihre Erfahrungen mit Wildnispädagogik und ähnlichen Konzepten auszutauschen.

Das Politik-Festival wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.

Die Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) wurde im Oktober 2017 von den NaturFreunden Deutschlands und der Naturfreundejugend Deutschlands gegründet.

Ort/Unterkunft/Treffpunkt: 
Bielefeld