Tour de Musée: Wir sind von hier – Türkisch-deutsches Leben 1990

Fotografien von Ergun Çağatay

03.02.2023 16:00 - 18:00 Uhr
Zielgruppe: 
Alle
Kosten: 

Eintrittspreis 8,00 €
Preis ermäßigt 4,00 €

Auskunft & Anmeldung: 

NaturFreunde Berlin, Uwe Hiksch, hiksch@naturfreunde.de, (0176) 62 01 59 02

© 

Zu Beginn des Jahres 1990 besuchte der Istanbuler Fotograf Ergun Çağatay (1937-2018) mehrere deutsche Städte. Dabei entstand die umfangreichste Bildreportage zur türkischen Einwanderung und türkeistämmigen Präsenz in Deutschland. Das Museum Europäischer Kulturen (MEK) zeigt rund 110 der insgesamt knapp 3.500 Aufnahmen, die mitten hinein in die Lebenswelten der ersten und zweiten Generation von türkischen Arbeitsmigrant*innen führen und ein vielfältiges Bild ihrer Lebensrealitäten im Wendejahr 1990 zeichnen.

Nach Stationen unter anderem in Essen, Istanbul und Hamburg nimmt die Ausstellung die Besucher*innen mit auf Çağatays Reise von Hamburg über Köln und Werl nach Berlin und zurück in den Westen nach Duisburg. Neben den ortsspezifischen Arbeits- und Lebensbedingungen deutsch-türkischer Communities in diesen Städten fanden auch politische Themen immer wieder Eingang in Çağatays Motivauswahl. So dokumentierte er etwa migrantische Initiativen um gesellschaftliche Teilhabe. In verschiedenen Fotografien deutete er zudem den gesellschaftlichen Rechtsruck dieser Zeit an. 

Medieninstallation und Videointerviews

Die Ausstellung präsentiert rund 107 der eindrucksvollsten Bilder Çağatays. Die Medieninstallation „Annäherungen“ präsentiert zentrale Themen aus dem fast 3.500 Fotografien umfassenden Konvolut in einem Bilderstrom. Knapp 400 Sequenzen dokumentieren Ergun Çağatays Streifzüge durch Deutschland und ermöglichen so einen Einblick in seine Motivsuche. Flankiert wird die Installation von acht eigens für die Ausstellung produzierten Videointerviews mit Zeitzeug*innen. 

Der Fotograf Ergun Çağatay

Ergun Çağatay zählt zu den namhaftesten türkischen Fotografen und Fotojournalisten. International bekannt wurde er durch seine Fotoreportagen, Ausstellungsprojekte und Buchpublikationen. Ab 1968 arbeitete er als Fotojournalist verschiedene Agenturen und Unternehmen tätig. Im Jahr 1983 bei einem Bombenanschlag auf den Flughafen Paris Orly schwer verletzt, fertigte Çağatay nach seiner Genesung als erster eine Fotoserie illustrierter Manuskripte aus dem Topkapı-Museum in Istanbul an. In den Jahren danach bereiste er mit der Kamera Europa und Zentralasien. 1990 schließlich entstanden nahezu 3.500 Aufnahmen im Rahmen seiner Reportage „Türken in Deutschland 1990 – Die zweite Generation“. Mit der Gründung der Agentur Tetragon widmete sich Çağatay verstärkt Eigenproduktionen.

Der Katalog zur Ausstellung

Der von Peter Stepan herausgegebene Katalog zur Ausstellung präsentiert knapp 190 der eindrucksvollsten Bilder von Ergun Çağatay. Ein einführender Essay zeichnet die damalige Reise des Fotografen ausführlich nach. In verschiedenen Themenbeiträgen kommen insbesondere auch türkeistämmige Autor*innen der jüngeren und älteren Generation zu Wort, die mit den Leser*innen ihre persönlichen Erfahrungen, Erinnerungen und Familiengeschichten teilen. Eine umfangreiche Chronologie ruft Schlüsseldaten aus Politik, Gesellschaft und Kultur zur Einwanderung aus der Türkei und Präsenz Türkeistämmiger in Erinnerung. Der Katalog erscheint zweisprachig auf Deutsch und Türkisch (Edition Braus Verlag).

Das Magazin zur Ausstellung

Das Magazin „Wir sind hier.“ (PDF, 7,4 MB) erschien anlässlich des 60. Jahrestags der Unterzeichnung des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens und lässt auf 72 Seiten die dritte und vierte Generation Türkeistämmiger mit Essays zu Wort kommen, darunter etwa die Journalistin Ferda Ataman, den Sozialaktivisten Ali Can, den CORRECTIV-Journalisten Hüdaverdi Güngör, die Slam-Poetin Aylin Celik oder die Schriftstellerin Dilek Güngör. Ihre Essays sind flankiert von Bildern verschiedener Fotograf*innen, darunter Brigitte Kraemer, Aslı Özdemir, Aslı Özçelik Henning Christoph, Candida Höfer oder Metin Yılmaz.

Kooperationpartner und Förderer

Ein Ausstellungsprojekt des Ruhr Museums, Essen in Kooperation mit dem Goethe-Institut, Istanbul, dem Museum für Hamburgische Geschichte und dem Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin

Das Ausstellungsprojekt wird gefördert vom Auswärtigen Amt, der RAG-Stiftung und der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.

Eine Sonderausstellung des Museums Europäischer Kulturen der Staatlichen Museen zu Berlin

Tour de Musée

Gemeinsam in eine Ausstellung gehen und das Gesehene und Gehörte miteinander zu diskutieren und zu interpretieren. Fotos, Bilder und Exponate gemeinsam ansehen und aus den Gesehenen neue Anregungen für die kulturelle und politische Arbeit finden.

Die Ausstellungsbesuche entstehen durch Vorschläge und Hinweise der Interessierten. In der Regel finden die Besuche ohne organisierte Führung statt, um der eigenen Interpretation und dem individuellen Erlebnis in keinen vorgegebenen Rahmen einzufügen. Die Touren sind für alle Interessierten, die sich gerne Kunst und Kultur anschauen, offen.

Ort/Unterkunft/Treffpunkt: 
Vor dem Museum Europäischer Kulturen, Arnimallee 25, 14195 Berlin

Ortsgruppe/n

Anfrage zum Termin

Datenschutzhinweis
Bitte beachten Sie: Damit Ihr Anliegen bearbeitet werden kann, leiten wir Ihre Anfrage direkt an die Veranstalter*innen des Terminangebots weiter. Weitere Informationen zur Verarbeitung von Kontakt- und Anmeldeformularen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung Webseite.