Grenzerfahrung in Senegal

Warum badische NaturFreunde Städtepartnerschaften vermitteln

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„Zu viele Lastwagen. Und vier Ortsteile, die noch nicht richtig zusammengewachsen sind. Ihr habt die gleichen Probleme wie wir.“ Die Analyse hätte von einem Kommunalpolitiker sein können, der das kleine Berghausen östlich von Karlsruhe besucht. Doch sie stammt vom Bürgermeister der Kleinstadt Kidira im Osten des Senegal. „Uns verbindet vieles“, sagt Mamadou Diallo: „Wir werden eine Partnerschaft gründen.“

Seit dem Jahr 2008 gibt es gute Verbindungen der badischen NaturFreunde in das westafrikanische Land. Daraus haben sich mittlerweile auch echte Städtepartnerschaften entwickelt: Rastatt an Rhein und Murg fand mit der senegalesisches Küstenstadt St. Louis zusammen und die Gemeinde Pfinztal – Berghausen ist einer ihrer Ortsteile – ist mit dem 4.000-Einwohner-Ort Kidira an der Grenze zu Mali partnerschaftlich verbunden.

Deutsche Kommune engagiert sich in Kidira

Eine Delegation aus Kidira wurde bereits in die Kommune Pfinztal eingeführt, besichtigte Schulen, Kindergärten, Recyclinghof, Feuerwehr und das Rathaus. Unsere NaturFreunde-Ortsgruppe brachte sich in das Rahmenprogramm ein, schließlich war die Städtepartnerschaft ja durch unsere Vermittlung zustande gekommen.

Seitdem fördert die Gemeinde Pfinztal jährlich ein kommunales Projekt in Kidira. Zum Beispiel hat die dortige Schule nun ein Lehrerzimmer und eine Wasserleitung. Die eingesetzten finanziellen Mitteln sind gering – Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto. Der Effekt vor Ort aber ist groß.

Seit dem Jahr 2014 gibt es auch einen offiziellen Partnerschaftsvertrag zwischen den NaturFreunde-Ortsgruppen in Berghausen und Kidira. In einer ersten Aktion wurde die Schule beim Bau einer Schutzmauer unterstützt, damit im Schulgarten Gemüse angebaut werden kann. Durch ein anderes NaturFreunde-Projekt können junge Frauen in Kidira eine Starthilfe erhalten, damit sie sich nach der Berufsschule eine selbstständige Existenz als Schneiderin, Markthändlerin oder in einem Handwerk aufbauen können.

Zur Partnerschaft gehören auch gegenseitige Treffen. Erst im Januar reisten vierzehn NaturFreunde mit zwei Vertreterinnen des Partnerschaftskomitees der Gemeinde Pfinztal in den Senegal und besuchten gemeinsame Projekte. Wir waren alle sehr beeindruckt, wie senegalesische Gemeinden mit bescheidensten Mitteln, aber viel Engagement und Kreativität daran arbeiten, das Leben der Bevölkerung nachhaltig zu verbessern.

„Mein Blick auf Afrika ist ein anderer geworden“, erzählte danach ein Reiseteilnehmer, der selbst gesehen hatte, wie sich die Erderwärmung in der Sahelzone auswirkt und welche Konsequenzen dort das üppige Leben in den Industrienationen hat. Nach dieser Reise ist es nicht mehr irgendwer, der da unter dem Wassermangel oder der Küstenerosion leidet. Sondern es sind unsere Freundin Fatou oder unser Freund Moussa mit ihren Familien, die irgendwie mit den oft schon katastrophalen Bedingungen leben müssen. Andere, insbesondere junge Senegalesen, sehen oft keine Perspektive mehr, gehen weg und kommen nicht selten als Flüchtlinge nach Europa.

Ortsgruppe wird nun anders wahrgenommen

Was bringt so eine Partnerschaft für eine Ortsgruppe? Zuerst sind da viele neue Freundschaften, die dank E-Mail und Skype auch zwischen den Besuchen gepflegt werden können. Durch diesen Austausch erfahren wir vieles, was sonst durch die Medien gefiltert würde – oder uns gar nicht erreichte. Wir lernen voneinander, denn uns verbindet eine Partnerschaft auf Augenhöhe.

Und dann hat sich auch die Wahrnehmung der NaturFreunde in Berghausen verändert. Wir sind längst nicht mehr nur der Wanderverein mit dem Haus am Hopfenberg. Sondern lokaler Ansprechpartner einer großen internationalen Organisation, die auf Nachhaltigkeit und Solidarität setzt.

Ursel Georg
Dieser Artikel ist zuerst erschienen in NATURFREUNDiN 2-16.

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